GARRY  GREENWOOD

27.11.1943 – 07.07.2005

 

Beruf:               Lederskulpteur

Nationalität:    Australien

Wohnort:         Tasmanien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Keine Ahnung, aber es ist sicher anderen auch schon so ergangen. Ich selber hab’s bei Gary Stewart, Waylon und Jimmy Martin erlebt. Alle drei suchte ich im Web. Was ich fand, war ihre Todesanzeige. So ist es auch bei Garry, dem Lederkünstler. Und sicherlich werde ich ihn so sehr vermissen, wie Gary, Waylon und Jimmy.

 

Aber zuerst zur Biografie:

Garry wuchs in England auf und besuchte dort die Kunstakademie, bevor er sich in Tasmanien, der Insel im Süden Australien’s, niederliess. Auf der Insel kaufte er eine alte Mühle, die er in der Folge vollständig renovierte. 1973 begann er sich mit Leder zu befassen, u.a. offerierte er Kurse an verschiedenen Kunstakademien. Von Anfang an widmete sich Garry hauptsächlich der Neudefinition des ästhetischen Gehalts spezifischer Objekte, indem er ihre funktionale Charakteristika entweder entfernte oder neu anordnete, ihre Identität jedoch beliess. Leder setzte er als bildhauerischen, nassgeformten, Werkstoff ein. Die Wahrnehmung von Illusion und Paradoxon als Quelle der Inspiration resultierte in einer Reihe sich wiederholender Themen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Stilettos, mit welchen er sich intensiv auseinandersetzte. Dabei hielt er sich an die Schuhmode des Mittelalters, verlieh dieser aber gleichzeitig einen modernen, oft auch vulgären „touch“.

 

Till Eulenspiegel lässt grüssen

 

Garry’s Objekte stellten den Körper, Kostüme, Architektur, Aerodynamik und – last but not least – Musikinstrumente dar.

 

 

 

Garry’s Masken wurden für eine Theateraufführung benötigt

 

Damit sind wir auch bei meinem Teil der Geschichte angelangt.

Während eines Lederkurses wurde ich mit Garry’s Kunst konfrontiert. Mein Lehrmeister hatte kurz zuvor, 1998, eine Ledermesse in der Schweiz veranstaltet, an der auch Garry mitwirkte. In der Veranstaltungsbroschüre fielen mir die Arbeiten des Australiers sofort positiv auf. Ab diesem Moment faszinierte mich alles, was mit Garry zu tun hatte. Bald schon stellte sich heraus, das wir auch musikalisch auf derselben Welle lagen, denn der Tasmanier liebte die Bluegrass-Musik über alles.

 

Gary’s Dragonhorn

 

Bald schrieb ich ihm, schickte Karten, Musik-CD’s, sogar eine Dulcimer aus Dollywood, kurz: Über Jahre hinweg hielten wir Kontakt. Allerdings nur schriftlich, getroffen habe ich den Künstler nie. Garry liebte Steve Earle, Bill Monroe, die Osborne Brothers oder Joe Val, aber auch die irische Folksmusik hatte es ihm angetan.

 

 

Schliesslich schuf er Steve Earle’s Leder-Mandoline:

 

Steve Earle’s Mandoline

 

Im April 2005 schrieb ich ihm noch eine Karte aus Green Bay, Wisconsin. Ich war enttäuscht, als er nicht antwortete.

 

 

Und jetzt, wo ich so viele gute Musik im Web finde, möchte ich mich gerne mit ihm austauschen, wieder CD’s schicken, auf seine Antwort warten, aber auch auf weitere Kunstobjekte hoffen. Sein Humor, sein Wissen und sein Geschmack werden mir genau so fehlen, wie seine Arbeiten. Garry tat übrigens nichts, hinter dem er nicht stehen konnte.

 

Ich kann mich lediglich damit trösten, dass er nun bestimmt für alle Musiker da oben Lederinstrumente entwirft und – wundert Euch bloss nicht, sollte Euch Petrus in Stiefeln wie Till Eulenspiegel sie trug, empfangen.....