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John Fogerty – Live At Sunset, Zürich, Schweiz, 15. Juli 2010 Vorderhand
sei festgehalten: John Fogerty ist Therapie pur. John Fogerty macht glücklich, Und das nicht nur, weil er über Dinge singt, die uns Menschen bewegen, sprich: Von der Liebe, der Vergangenheit, der Zukunft, dem Alter, dem Hoffen, dem Verlieren und vor allem: Dem Optimismus. Man merke: John Fogerty ist selber Optimist. Erster Güte und erster Klasse. Ein ausgezeichneter Gitarrist (Übername: ‚Slugger‘), ein super Mundharmonikaspieler und im gleichen Masse Ausnahme-Sänger. Doch genug des Philosophierens. Wir hatten die Tickets ½ Jahr vorher bestellt. 8. Reihe, rechts….besseres war zum Zeitpunkt der Bestellung nicht mehr zu haben für CHF 120.00 (pro Person!). Aber wir haben uns von dem Moment an gefreut, als wir die Tickets in der Tasche hatten. Schliesslich konnten wir John ja schon 2007 im Landesmuseum Zürich geniessen. Und da hat er begeistert. Live at Sunset wurde übrigens verlegt. Vom Landesmuseum in die Dolder Eisbahn. Das Dolder Hotel, in der Nähe gelegen, wurde noch nicht lange umgebaut. Es steht, weithin sichtbar, in der Nähe des Zoos, oberhalb von Zürich. Also zuerst das Tram nehmen, dann mit vielen anderen Interessierten in die enge Zahnradbahn quetschen, einen kurzen Lauf durch den Wald auf sich nehmen (nicht auszudenken, wie der ausgesehen hätte, wär das Wetter schlecht gewesen) und schon standen wir vor dem Gelände. Um uns Holländer, Deutsche, Franzosen (oder Welsche), etc. etc. … viele Länder waren vertreten – beinahe ebenso viele, wie unterschiedliche John-Fogerty-T’Shirts…. Die Bühne, über eine Treppe erreichbar, war riesig. Sie bestand aus ca. 9 Monitoren, 26 Bildschirmen (wo jeweils Fogerty’s CD Covers prangten. Während des Konzertes wurden sie als Lichteffekte eingesetzt), 30 Boxen, 18 Gitarren, einer Mandoline, einem Kontrabass, einer Mundharmonika, einem Keyboard, einem elektrischen Bass, einer Fiddle und einem DW Schlagzeug. Rings um die Bühne waren Verkaufsstände, die CD’s und T-shirts von John Fogerty anboten, aufgebaut. Ein shirt kostete übrigens CHF 40.00. Ein ziemlich überrissener Preis (2007 waren die Shirts allerdings für stolze CHF 50.00 zu haben). Umgeben wurden die Promotion-Stände von diversen Essenständen. Wobei sogar Zürich’s bekanntestes Vegi-Restaurant, das Hiltl, vertreten war. Für Getränke schien ebenfalls gesorgt zu sein, denn die leeren Weinflaschen, die bei unserem Eintreffen an uns vorbei geführt wurden, sprachen für sich. In den Rängen wurden übrigens vor dem Konzert sogenannte ‚Cüpli’s‘ herumgereicht (meines Erachtens ein Getränk für die Oberschicht, für die Schicki-Mickis oder die Schickeria). Auch Joints wurden geraucht (leider). Was von Anfang an fehlte, war eine Person, die sich für das Ganze verantwortlich zeigte. Zwar gab es viel Einsatzpersonal, das sich durch guten Service hervortat, aber keiner schien der ‚Tätschmeister‘ (Maestro/Big Chief) zu sein. Die Ansagen erfolgten denn auch über irgendwelche imaginären Lautsprecher. Was schade war. Dafür arbeiteten sich die Rowdies (dieselben wie 2007) wieder einmal die Finger wund. (Tja. Ich geb’s zu – ich beobachte sehr gerne, was VOR einem Konzert auf der Bühne abgeht…..). Die Durchsage, dass der Künstler keine Fotos zulässt, enttäuschte das Publikum vor dem Auftritt. Ich habe die Konzerttickets nachher noch einmal überprüft. Darauf war nichts dergleichen vermerkt. Und die Ansage, dass dank eines falsch parkierten Fiat Punto der Tourbus nicht durchfahren könne, kam kurz vor 20.30 Uhr (das Konzert sollte um diese Zeit beginnen). Da lachte das Publikum zwar noch, zeigte sich aber nicht gerade entzückt. Glücklicherweise war die Hitze nicht mehr so gross wie am Nachmittag, für Verpflegung und Getränke wurde ausreichend gesorgt (auch wenn man dafür lange anstehen musste) und auch genügend Toiletten hatte man aufgestellt. Um 20.50 Uhr betrat der kleine Mann mit der grossen Frisur die Bühne. Ziemlich enthusiastisch (was ob dem hässlichen Karo-Hemd eigentlich erstaunt). Doch John Fogerty gibt sich nicht mit Oberflächlichkeiten ab. Aber zurück zum Set. Diesen Abend waren unter den 7 Musikern Kenny Aronoff am Schlagzeug (www. kennyaronoff.com), Jason Mowery (Fiddle) und ein überraschender James Intveld an der Gitarre. Was ein Rockabilly-Musiker (okay, seit ein paar Jahren Schnulzen-Musiker mit grossem Durst) bei John Fogerty verloren hat, sei in Frage gestellt. Zumal er nur mässig in Erscheinung trat – weder an der Gitarre, noch am Gesang hat er brilliert. Dafür war er schön gestylt (inkl. Tolle!) und hübsch anzusehen. John’s Set-Liste konnte sich sehen lassen. Der gut gelaunte Musiker startete voll durch mit: „On The Run". Hierauf folgte das raue „Suzie Q", abgelöst von „Wrote A Song For Everyone". „Working on a Building" brachte John vor dem grossartigen „Looking Out My Backdoor" – und dies, obschon einige Fans lauthals nach „Cotton Fields" schrien. Dessen ungeachtet folgte „Down The Road I Go". Eines der wenigen Stücke, das ich nicht mag. Grund: Das ellenlange, langweilige Gitarrensoli im Südstaaten-Stil. Den beinahe 5-Minuten dauernden Song löste „Southern Streamline" ab. Der Song machte das Publikum einmal mehr glücklich. Und schliesslich dachte sich John offensichtlich, die Spannung habe lange genug gedauert, also stimmte er „Cotton Fields" an oder besser: Er liess die Fans das Stück anstimmen. Bis er ein Einsehen hatte und vorderhand per Gitarre, später auch stimmmässig einstimmte. Die Anhänger John’s waren so hin und weg, dass sie eine kleine Polonaise tanzten – allerdings scheint sich dadurch ihr Enthusiasmus twas abgekühlt zu haben. Anschliessend hörte man nicht mehr viel von ihnen (der Bierpegel hatte wohl Überhand genommen. Ne. Hat er nicht. Auf dem Video findet Ihr die Clique!!). „Born On The Bayou" war ein weiterer Klassiker, für den sich John Fogerty entschied. „Somebody Help Me" ist ein spitzenmässiger Song, voller Emotionen. Und daran hielt sich John Fogerty auch. „Midnight Special", wohl einer der beliebtesten CCR Songs überhaupt, folgte als Nächstes. Der Ohrwurm „Don’t You Wish It Was True" gehörte zu den wenigen neueren Nummern, die John an diesem Abend auswählte. Vielleicht lag’s ja daran, dass das Publikum nicht aus kreischenden Teenagern bestand, sondern mehrheitlich aus gealterten Hippies. Was eine gute Sache war. Man sah keine Mode-Kleidung, das Publikum schien hohe Erwartungen zu haben, die Songs alle zu kennen und trotzdem recht gesittet zu sein. „Have You Ever Seen The Rain" ist ein weiteres Meisterstück aus der Feder John Fogerty’s, das er in sein Repertoire aufnahm. Roy Orbinson’s „Pretty Woman" im typischen Fogerty-Stil kam gut an, auch wenn wir hier einen der wenigen Titel haben, die mir im Original besser gefallen… Bei John geht die Romantik ein bisschen ab….Roy Orbinson wirkt – kitschiger. „Big Train From Memphis" machte John offensichtlich riesigen Spass. Mir weniger. Hier kam nämlich der Kontrabass zum Einsatz und der Mann, der ihn betätigte, ist ganz sicher kein angefressener Kontrabass-Liebhaber. Er wirkte lasch und uninteressiert, das Instrument kam kaum zur Geltung. Doch das nächste Stück machte die wenigen Fehler mehr als wett. John suchte sich nämlich ausgerechnet „Summertime Blues" von Eddie Cochran als Folgenummer aus. Irre. Schade, kannten die wenigsten im Publikum das Original. Kein Titel eignet sich übrigens besser für heisse, flaue Sommerabende. Und John Fogerty hat das ganz richtig erkannt. Ich werde ihm für den Titel meines Idols ewig dankbar sein. „Hot Rod Heart" folgte hierauf, dann „Green River". Anschliessend packte John – endlich – die Mundharmonika aus und duellierte sich mit dem Schlagzeug. Dieses war übrigens für meinen Geschmack den ganzen Abend über etwas zu laut eingestellt. John’s Schlagzeuger läuft bei mir unter „aggressiv". Erneut brachte John „Down On The Bayou", gefolgt von „Down On the Corner". Bald folgte „Bad Moon Risin" – mit Orgel (mich schaudert’s jetzt noch, ist halt nicht mein Lieblingsinstrument). Es folgten 2, 3 weitere Songs und endlich gab’s als Zugabe „Rockin‘ All Over The World" und wer sich, wie ich nun fragt, was Status Quo mit Fogerty zu tun haben, dem sei gesagt: John Fogerty hat den Klassiker geschrieben. Nachdem John Fogerty 2 Stunden lang einmal mehr alles gab (bei den letzten 2, 3 Stücken schien seine Stimme merklich schwächer zu werden), was er hatte, bedankte er sich höflich beim Publikum und verschwand. Zurück liess er jede Menge Begeisterung und manch stummes Versprechen, beim nächsten Live Auftritt wieder dabei zu sein. Und unser Enthusiasmus hielt noch lange an – selbst, als wir dank der überfüllten Zahnradbahn unseren Zug verpassten, konnte uns keiner das Highlight des Jahres nehmen. Long Live John Fogerty!
Videos: zum Konzert befinden sich bereits im
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