Gstaad: Gegensätze vereinigen Publikum in standig ovations

Die 21. Country Night im schweizerischen Gstaad fand am 11. & 12. September 2009 statt. Wer gefragt hatte, was wohl nach der 20. Country Night des Jahres 2008 passieren würde, bekam prompt die Antwort: drei Bands, jeweils standing ovations. Kenny Rogers riss trotz seiner 71 Jahre mit seinem Enthusiasmus und seinen Hits das Publikum mit, Lady Antebellum begeisterten als talentierte moderne Songwriter und Sänger, Texas Lightning überraschten mit einem neuen Leadsänger anstelle des Bandgründers Jon Flemming Olsen.

Erstmals in der Geschichte des Festivals, das für Auftritte großer Namen bekannt ist, hatten die Veranstalter nur drei Bands präsentiert. Die Auftritte dauerten dafür jeweils ca. 75 Minuten, was angemessen war. In der Schweiz als Stars aus dem Ausland angesagt, legten Texas Lightning aus Hamburg an beiden Abenden als erste Formation los. Die in Hamburg lebende Australierin Jane Comerford war die Sängerin, sie bediente die Ukulele. Olli Dittrich ("Dittsche") saß am Schlagzeug, er war Schlagzeuger, ehe er als Comedian erfolgreich ein zweites Standbein aufgebaut hatte. Markus "Fast Fingers" Schmidt bediente elektrische Gitarre und Banjo und Uwe Frenzel den Kontrabass. Hinzu kam "Dauergast" Nils Tuxen an Steel Guitar, Dobro und Mandoline. Die Band befand sich 2009 in einer Phase der Tourneepause, Gstaad holte sie zurück auf die Bühne. Jonny Olsen hatte am 28. August und damit zwei Wochen vor der Country Night seinen Ausstieg aus der Band erklärt, Malte Pittner, Gründungsmitglied der Hamburger Electro- und Hip-Hop-Gruppe „Deichkind" stand daher erstmals mit Texas Lightning als Leadsänger und akustischer Gitarrist auf der Bühne, Deichkind hatte er ja bereits 2006 verlassen.

Mit "Bad Case Of Loving You" wählten sie den denkbar besten Einstieg, Country Music in klassischer Form, dem mit "Man Of Constant Sorrow" gleich Bluegrass/Old Time folgte. Hervorzuheben auch John Hartford’s "Gentle On My Mind", das von der Formation in ein gefälliges Arrangement verpackt wurde. Sodann folgten Lieder von Country-Komponisten, die nicht wussten, dass sie welche sind (Zitat Olli Dittrich). Zum Teil mit Mandoline begleitet tauchten Nummern auf wie Survivor‘s "Eye Of The Tiger" oder Madonna‘s "Like A Virgin". Der unlängst verstorbene "King Of Pop" Michael Jackson wurde mit "The Man In The Mirror" geehrt, die "Dancing Queen" kam von ABBA. Das klang alles recht perfekt und kam gut an. Markus Schmidt spielte beim Jerry Reed Klassiker "East Bound And Down" die elektrische Gitarre und konnte daher nicht gleichzeitig das Banjo bedienen, von deren Zusammenarbeit allerdings die Originalversion lebt, vielleicht sollte Nils Tuxen an dieser Stelle am Banjo einspringen. Im Falle von "Ticket To Ride" gingen Texas Lightning zu den Beatles zurück, die aktuelle Single „Seven Ways To Heaven" wurde eingestreut, positiv der Tex-Williams-Klassiker "Smoke Smoke Smoke That Cigarette". In der Pressekonferenz versprachen sie, nun wieder durchzustarten und verstärkt wieder Titel mit klassischem Country bzw. dem gewissen Swing-Einfluss zu präsentieren. Chuck Berry‘s "C’est La Vie" und "Take A Walk On The Wild Side" vom Blues- bzw. Rockgitarristen Lou Reed führten zum Finale, das die Zugaben "No No Never", ihren mehrwöchigen Nummer 1 Hit in Deutschlands Pop Hitparade und "Highway To Hell" von AC/DC brachte. Der neue Mann in Front war vielleicht nicht so prägnant wie sein Vorgänger, hat aber keinesfalls enttäuscht und möchte bei der Band bleiben. Standing ovations waren der Lohn für die präzise Bühnenarbeit von Texas Lightning, verdientermaßen gefeiert in Gstaad.

Nach einer einstündigen Pause, der Ablauf war an beiden Abenden identisch nur am Freitag mit Beginn 19 Uhr und am Samstag mit Beginn 18 Uhr, betraten Lady Antebellum die Bühne. Als sie gebucht wurden, standen sie erst am Anfang einer Karriere, die seither so steil nach oben führte, dass man ihre Verpflichtung nur als wahren Glücksgriff der Veranstalter werten kann. Am 12. November 2008 hatten sie von der Country Music Association (CMA) bereits den Award als beste Newcomer des Jahres erhalten. Mittels ihrer Show, ihrem Verständnis füreinander und wie sie sich gegenseitig auf der Bühne ergänzten, verdeutlichten sie, weshalb ihre Karriere so massiv explodiert ist. Sie rechtfertigten mithin ihre Verpflichtung nach Gstaad in jeder Hinsicht. Zum Einstieg gleich ihr Motto "Looking For A Good Time", das Anfang 2009 Platz 11 der Country Charts erreichte. Modern ihre Arrangements, voller Energie und doch Leichtigkeit ihr Auftreten. Die Mitglieder sind jung, stecken voller Talente und sehen gut aus, was will man für den Anfang mehr. Charles Kelley und Dave Haywood wuchsen gemeinsam in Augusta, Georgia auf, gingen dort zur Schule und studierten beide Finanzwesen. Nach nur kurzen Tätigkeiten auf buchhalterischem Bereich machten sie die Country Music zu ihrer Lebensaufgabe, Songs hatten sie schon in ihrer Studienzeit gemeinsam geschrieben. Sie zogen nach Nashville. Dritte im Bunde ist Hillary Scott, Tochter der Country Sängerin Linda Davis, die aus Texas nach Music City gekommen war und in den 80-er und 90-er Jahre ihre große Zeit hatte und im Duett mit Reba McEntire einen Nummer 1 Hit mit „Does He Love You" landen konnte, wofür es einen Grammy und einen CMA-Award gab. Hillary hatte die Musik von Charles Kelley und dessen Bruder Josh über das Internetportal "MySpace" kennengelernt und bei einem zufälligen persönlichen Treffen herausgefunden, dass ihr neues Gegenüber ihr MySpace-Freund Charles Kelley war. Rasch begann die Zusammenarbeit mit Charles und Dave, zunächst im Wege gemeinsamen Songschreibens ohne konkretes Ziel. Im April 2007 winkte der Plattenvertrag bei Capitol Nashville. In Nashville traten sie zuerst vor 25 Leuten auf, bald schon vor immer größer werdendem Publikum.

Ihr erster Hit "Love Don’t Live Here" erreichte im Juni 2008 Platz 3 in Billboard‘s Country Charts, das Debüt-Album "Lady Antebellum" erreichte Platz 1 der Country Album Charts und Platz 4 der Top 200, in denen alle musikalischen Richtungen notiert sind, verkaufte innerhalb eines guten Jahres 600.000 Einheiten und liegt heute noch gut im Rennen. Rascal Flatts und Sugarland haben für ihre Art der Musik den Weg geebnet und mit Gloriana ist bereits wieder eine neue Band in der entsprechenden Richtung erfolgreich. Die Basis sind gefestigtes Songschreiben, weit ab vom "Country-Rap", dichte und intensive Harmoniegesänge und moderne musikalische Arrangements. Die Bühnenshow in Gstaad lebte von der elektrischen Gitarre von Jason Gambill, von den drei Frontleuten bediente lediglich Dave Haywood akustische Gitarre und Keyboard, Hillary (Alt) und Charles (Bariton) traten ausschließlich als Sänger in Erscheinung. Da sie noch nicht genügend eigenes Material zur Verfügung haben, so rasant ist ihr Erfolg gekommen, mischten sie geschickt und gekonnt Lieder von Vorbildern in ihren Auftritt. Charles Kelley ist großer Fan der Allman Brothers, daher erklang der "Rambling Man", ebenso hatten die Doobie Brothers ihre Spuren hinterlassen, was gitarrentechnisch gigantisch gut umgesetzt wurde. Dwight Yoakam war mit "Fast As You" vertreten. Ihren ersten gemeinsam geschriebenen Song "All I Need" trugen sie natürlich mit besonderem Stolz vor und im Trio der Frontleute spielten sie sitzend ihre neue Single "Need You Now". Das Lied avancierte zu einem Festival Highlight, standing ovations am Freitag, begeistertes Klatschen mit Füßetrommeln am Samstag am Ende des Liedes. Die Hälfte der Lieder der zweiten CD sind derzeit aufgenommen, "Need You Now" stieg auf Platz 50 in die Country Charts ein und nahm seither seinen steilen Weg nach oben über die Positionen 39 und 31 zu Platz 25 am 19. September. Die Herzen des Publikums gewann Hillary Scott mit der Erinnerung an John Brack, der für seine Duetts-CD ein Lied mit ihrer Mutter Linda Davis aufgenommen hatte und für ihren Einwurf, dass sie aufgrund dieser Tatsache schon als kleines Kind in die Schweiz kommen wollte. Dass es eine Ehre ist, jetzt mit ihren beiden besten Freunden hier zu sein, war ihr auch wichtig, mitzuteilen. Highlight ihres Auftritts war das gesanglich und kompositorisch absolut herausragende "I Run To You", das im Juli ihre erste Nummer 1 in Billboard‘s Country Charts wurde und das die grenzenlose Dynamik der Band unterstrich. Auch hier Zugabe und standig ovations, die Band hat begeistert und sich einen guten Namen in Europa erworben, am Samstag sogar noch eine Spur bedeutender als am Freitag, zumal am Samstag das Zelt restlos ausverkauft war, am Freitag noch einige Plätze unbesetzt blieben.

Nach einer weiteren fast einstündigen Pause, die man zur körperlichen Stärkung außerhalb des Zelts in der Tennishalle oder anderswo nutzen konnte, oder zum Besuch an einem der Verkaufsstände, nahte der Auftritt von Megastar, ja Ikone Kenny Rogers. Der Songschreiber und Sänger aus Houston, Texas hat eine lange Liste von Millionsellern, sowohl bei Singles, als auch bei Alben, 21 Nummer 1 Hits stehen in Billboard‘s Country Charts zu Buche, von "Lucille" (1977) bis "Buy Me A Rose" (Mai 2000). Er ist eine lebende Legende der Musikgeschichte und einer der größten Namen, die je in Gstaad aufgetreten sind. Von allen Country Künstlern hat er auch in der Schweiz die deutlichsten Spuren in der Hitparade hinterlassen. Mit 71 Jahren ist er inzwischen in einem Alter, in dem sich viele schon zur Ruhe gesetzt haben, nicht so Kenny Rogers, der gleich einen Helikopter gechartert hat, um von der herrlichen Berglandschaft des Berner Oberlands Fotos für seinen neuen Bildband zu schießen, Lehrmeister insoweit war der berühmte amerikanische Fotograf Ansel Adams. Im Anschluss an Gstaad reiste er zum Zwecke des Fotografierens in die Tschechische Republik weiter.

Obwohl er 2008 ein neues Knie eingepflanzt bekam und daher beim Gehen Vorsicht walten lassen musste, war er auf der Bühne ständig unterwegs, um den Fans auf allen Seiten nahe zu sein. Seine innere Bescheidenheit wurde bei der Pressekonferenz auf einmalige Weise deutlich, als er nicht zielstrebig zum Mikrofon ging, sondern anbot, sich in der Mitte der Journalisten befragen zu lassen. Nach der Pressekonferenz, als eine Frau in einem Rollstuhl zu ihm geschoben wurde mit der Bitte um ein gemeinsames Foto, kniete er auf den Boden mit der Bemerkung "Moment, ich komme zu Dir runter, nachher komme ich vielleicht nicht mehr hoch, aber ich komme zu Dir runter". Auch wenn man bisher den Eindruck hatte, ihm würde der Erfolg einfach so zufallen, Zitat seiner Mutter: "Dieser Junge hat noch keinen Tag in seinem Leben gearbeitet, er hat nur gesungen", wurde in Gstaad deutlich, mit welchem Engagement und auch mit welcher Hingabe er seine Musik präsentiert. Um etliche Pfunde leichter als früher und mit zwei fünfjährigen Söhnen, den eineiigen Zwillingen Justin und Jordan, hat Kenny Rogers agil zu bleiben. Seine Band war ein perfekt eingespieltes Team der Superlative, angesiedelt im hinteren Bereich der Bühne, auf die bekannten Effekte seiner Musik musste man nicht verzichten. "Love Or Something Like It" und "If You Want To Find Love" waren seine ersten Stücke, die lautesten, die er im Repertoire habe, wie er mit viel Ironie im Blick kommentierte.

Seine Karriere begann nach Erfolgen mit der High School Band „The Scholars" ja schon in den 50-er Jahren als Bassist im Bobby Doyle Trio und damit im Jazz, dann kam er zu den New Christy Minstrels und mithin zum Folk, sodann gründete er Ende der 60-er Jahre Kenny Rogers & The First Edition, ehe er 1974 endgültig auf echte Solopfade ging. In Anspielung auf seine lange Karriere sagte er "If You Want To Find Love" an mit der Bemerkung, hier sei ein Hit von vor vier Jahren, was prompt aus dem Hintergrund mit einem klaren "10" beantwortet wurde, in Wahrheit war die Nummer 1991 in den Charts. Bemerkenswert auch seine Anmoderation unter dem Motto, "ich behaupte nicht, der beste Sänger zu sein, mir ist wichtig, dass Ihr einen unterhaltsamen Abend und viel Spaß habt". Mit Bluejeans und über der Hose getragenem Hemd, Freitag weiß und Samstag blau, brachte er auch äußerlich seine Lockerheit stimmig rüber. Sein Medley aus den Balladen "You Decorated My Life" und "She Believes In Me" kommentierte er mit der Bemerkung, letzteres sei sein persönliches Lieblingslied. Von 1969 durfte sein Hit "Ruby, Don’t Take Your Love To Town" nicht fehlen, einfach herrlich, wie treffend die Begleitband den entsprechenden unverkennbaren Sound auf die Bühne zauberte. Sein angedachtes nächstes Projekt trägt den Titel "Hits I Should Have Had", hieraus stellte er "To Me" vor, mit dem Lee Greenwood und Barbara Mandrell 1984 in den Country Charts einen Top 3 Hit landen konnten. Fiddlerin Amber Corr bekam einen Solospot für einen Hoedown auf der Fiddle. Dem folgte der Toperfolg "Coward of The County" und "Daytime Friends And Night Time Lovers" war ein bewegender Hit, der für immer nur mit Kenny Rogers und seiner unvergleichlichen, leicht heiseren bzw. sinnlichen Stimme in Verbindung gebracht wird, man nennt den Ansatz wohl auch "lasziv", im positivsten Sinne des Wortes.

Kenny Rogers hat die Grenzen der Country Music mit seiner Musik weit ausgedehnt und ihr ein neues, städtisches Publikum erschlossen, was ihm auch massive Hits in den Pop Charts eingebracht hat, die meisten nach seinem 40. Geburtstag, was auch ein Phänomen darstellt. Schon am 14. September 1978 hatte er seinen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame erhalten. Mit "Buy Me A Rose" wurde er mit 61 Jahren zum ältesten Künstler, der je einen Nummer 1 Hit landen konnte in Billboard‘s Country Charts, er brach damit den Rekord von Hank Snow, der 1974 mit 60 Jahren "Hello Love" an die Spitze getragen hatte und wurde drei Jahre später vom damals 70-jährigen Willie Nelson als Rekordhalter abgelöst, der im Duett mit Toby Keith „Beer For My Horses" an die Spitze trug. Kenny‘s Kommentar vorab: "men are from mars, women are from venus", denn das Lied handelt vom gegenseitigen Unverständnis, mit dem die Geschlechter sich zeitweise begegnen und es beschreibt die Erlösung die eintritt, wenn man erst einmal gemerkt hat, was das jeweils andere wirklich möchte. Die esoterische Ader oder der „Freidenker" spielt durchaus eine gewisse Rolle im Leben und Fühlen des Weltbürgers Kenny Rogers. Der Hit "Rueben James", wo jeglichem Rassenhass mit selbstverständlichem Unverständnis begegnet wird, unterstrich dies schon 1969, ihm folgte auf der Bühne Soul Music mit seinem ganz frühen Hit "I Just Dropped In To See What Condition My Condition Was In", seine Stimme bestens hierfür geeignet, keine Frage und keine Abstriche und noch mehr Rhythmus gab es bei "Bo Diddley".

Kenny Rogers hat mit großartigen Sängerinnen Duetthits gelandet, unter ihnen Dottie West und Dolly Parton. Sein Lieblingsduett "We’ve Got Tonight" (Titelsong seiner LP von 1983) hat er mit Sheena Easton an die Spitze der Country Charts getragen, in Gstaad sang er es solo. Sehr schön das zu ihm passende Lied über Freundschaft "Have A Little Faith In Me", wer geglaubt hatte, Kenny Rogers würde irgendwelche langweiligen Balladen singen, wurde mit jedem Lied eines besseren belehrt. Zu "The Gambler" spielte er auf den links und rechts von der Bühne angebrachten Leinwänden Ausschnitte aus allen fünf entsprechenden Filmen ein, u.a. war dort neben Kenny Rogers selbst Reba McEntire zu sehen, das Lied war 1978 sein fünfter Toperfolg, für drei Wochen Platz 1 in Billboard‘s Country Charts. Sodann blendete er zu seinem ersten Toperfolg zurück, "Lucille" von 1977. Diese markanten Hits in der Version des Mannes zu erleben, der sie zu zeitlosen Klassikern gemacht hat, war jegliche Anreise wert, auch wenn Kenny Rogers spürbar alles geben muss, um diese hochklassige Performance auch heute noch zu bringen. Aber, das tut er, der zweistündige Radiomitschnitt bei DRS-1 am Sonntag, den 14. September im „Country Special" von 20 bis 22 Uhr bewies dies, eine Stunde gehörte ausschließlich dem Auftritt von Kenny Rogers. Sechs Wochen Platz 1 der Pop Charts, eine Woche an der Spitze der Country Charts, "Lady" aus der Feder von Lionel Ritchie, Gänsehaut, gigantisch. Lustig, wie er immer das Publikum in seine Show einbezog und wie er einen running gag daraus machte, wenn das erwartete Mitsingen eines Refrains seitens des Publikums schiefging. Er hat es verkraftet und erklärte, dass er nicht mehr das Mikrophon zur Seite legt, wie er es 30 Jahre lang gemacht hat, um von der Bühne zu gehen, und um für Zugaben zurückgeholt zu werden, sondern er gehe jetzt automatisch auf die Zugaben über, klar, dass dort "Islands In The Stream" anstand, das 1983 im Duett mit Dolly Parton parallel für je zwei Wochen an der Spitze der Country und der Pop Charts stand. Am Samstag gabs ein weiteres Lied zum Abschluss, aber dann galt die klare Ansage wie seinerzeit bei Elvis "He has left the building". Die Energie, die er versprühte, die Freude, mit der er die Leute für sich gewinnen kann, das alles hinterließ jeweils ein restlos begeistertes Publikum, tosenden Applaus und standig ovations, zu Recht, keine Frage. Kenny Rogers sucht nach wie vor die Herausforderung, mit Erfolg.

Im September 2010 steht die 22. Country Night Gstaad an. Bis dahin darf man zehren von der wunderbaren Atmosphäre im Zelt der Alpengala, die 2009 von drei komplett verschiedenen Formationen erzeugt wurde, jeweils mit absolutem Spitzenkönnen und mit dem Effekt, das Publikum aus den Sitzen gehoben zu haben. Für alle Zweifler hatten Lady Antebellum in der Pressekonferenz eine gute Erklärung ihrer sehr modernen Country Music parat: Als Mitte der 70-er Jahre Waylon Jennings erfolgreich wurde, hatten viele ihm vorgeworfen, nicht Country zu sein und Dinge zu tun, die man in der Country Music nicht machen könne, inzwischen gilt er längst als Inbegriff authentischer Country Music. Auch für Lady Antebellum gilt, dass sie sich nicht vorschreiben lassen wollen, was man in der Country Music tun darf und was nicht, es kommt auf den Ansatz und das Können an. Kenny Rogers hat mit über 100 Millionen verkaufter Tonträger und einer Reihe von Awards, u.a. von Grammys und CMA, eine riesige Karriere erlebt, Lady Antebellum sind bei der CMA für die Awardsverleihung am 11.11.2009 nominiert für den Award als beste Country Band. Bei den drei Formationen des Jahres 2009 in Gstaad hatte alles gepasst und entgegen der Prognosen war sogar das Wetter gut. (Friedrich Hog)

 
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