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Gstaad: Gegensätze vereinigen Publikum in standig ovations
Erstmals in der Geschichte des Festivals, das für Auftritte großer Namen bekannt ist, hatten die Veranstalter nur drei Bands präsentiert. Die Auftritte dauerten dafür jeweils ca. 75 Minuten, was angemessen war. In der Schweiz als Stars aus dem Ausland angesagt, legten Texas Lightning aus Hamburg an beiden Abenden als erste Formation los. Die in Hamburg lebende Australierin Jane Comerford war die Sängerin, sie bediente die Ukulele. Olli Dittrich ("Dittsche") saß am Schlagzeug, er war Schlagzeuger, ehe er als Comedian erfolgreich ein zweites Standbein aufgebaut hatte. Markus "Fast Fingers" Schmidt bediente elektrische Gitarre und Banjo und Uwe Frenzel den Kontrabass. Hinzu kam "Dauergast" Nils Tuxen an Steel Guitar, Dobro und Mandoline. Die Band befand sich 2009 in einer Phase der Tourneepause, Gstaad holte sie zurück auf die Bühne. Jonny Olsen hatte am 28. August und damit zwei Wochen vor der Country Night seinen Ausstieg aus der Band erklärt, Malte Pittner, Gründungsmitglied der Hamburger Electro- und Hip-Hop-Gruppe „Deichkind" stand daher erstmals mit Texas Lightning als Leadsänger und akustischer Gitarrist auf der Bühne, Deichkind hatte er ja bereits 2006 verlassen.
Ihr erster Hit "Love Don’t Live Here" erreichte im Juni 2008 Platz 3 in Billboard‘s Country Charts, das Debüt-Album "Lady Antebellum" erreichte Platz 1 der Country Album Charts und Platz 4 der Top 200, in denen alle musikalischen Richtungen notiert sind, verkaufte innerhalb eines guten Jahres 600.000 Einheiten und liegt heute noch gut im Rennen. Rascal Flatts und Sugarland haben für ihre Art der Musik den Weg geebnet und mit Gloriana ist bereits wieder eine neue Band in der entsprechenden Richtung erfolgreich. Die Basis sind gefestigtes Songschreiben, weit ab vom "Country-Rap", dichte und intensive Harmoniegesänge und moderne musikalische Arrangements. Die Bühnenshow in Gstaad lebte von der elektrischen Gitarre von Jason Gambill, von den drei Frontleuten bediente lediglich Dave Haywood akustische Gitarre und Keyboard, Hillary (Alt) und Charles (Bariton) traten ausschließlich als Sänger in Erscheinung. Da sie noch nicht genügend eigenes Material zur Verfügung haben, so rasant ist ihr Erfolg gekommen, mischten sie geschickt und gekonnt Lieder von Vorbildern in ihren Auftritt. Charles Kelley ist großer Fan der Allman Brothers, daher erklang der "Rambling Man", ebenso hatten die Doobie Brothers ihre Spuren hinterlassen, was gitarrentechnisch gigantisch gut umgesetzt wurde. Dwight Yoakam war mit "Fast As You" vertreten. Ihren ersten gemeinsam geschriebenen Song "All I Need" trugen sie natürlich mit besonderem Stolz vor und im Trio der Frontleute spielten sie sitzend ihre neue Single "Need You Now". Das Lied avancierte zu einem Festival Highlight, standing ovations am Freitag, begeistertes Klatschen mit Füßetrommeln am Samstag am Ende des Liedes. Die Hälfte der Lieder der zweiten CD sind derzeit aufgenommen, "Need You Now" stieg auf Platz 50 in die Country Charts ein und nahm seither seinen steilen Weg nach oben über die Positionen 39 und 31 zu Platz 25 am 19. September. Die Herzen des Publikums gewann Hillary Scott mit der Erinnerung an John Brack, der für seine Duetts-CD ein Lied mit ihrer Mutter Linda Davis aufgenommen hatte und für ihren Einwurf, dass sie aufgrund dieser Tatsache schon als kleines Kind in die Schweiz kommen wollte. Dass es eine Ehre ist, jetzt mit ihren beiden besten Freunden hier zu sein, war ihr auch wichtig, mitzuteilen. Highlight ihres Auftritts war das gesanglich und kompositorisch absolut herausragende "I Run To You", das im Juli ihre erste Nummer 1 in Billboard‘s Country Charts wurde und das die grenzenlose Dynamik der Band unterstrich. Auch hier Zugabe und standig ovations, die Band hat begeistert und sich einen guten Namen in Europa erworben, am Samstag sogar noch eine Spur bedeutender als am Freitag, zumal am Samstag das Zelt restlos ausverkauft war, am Freitag noch einige Plätze unbesetzt blieben.
Obwohl er 2008 ein neues Knie eingepflanzt bekam und daher beim Gehen Vorsicht walten lassen musste, war er auf der Bühne ständig unterwegs, um den Fans auf allen Seiten nahe zu sein. Seine innere Bescheidenheit wurde bei der Pressekonferenz auf einmalige Weise deutlich, als er nicht zielstrebig zum Mikrofon ging, sondern anbot, sich in der Mitte der Journalisten befragen zu lassen. Nach der Pressekonferenz, als eine Frau in einem Rollstuhl zu ihm geschoben wurde mit der Bitte um ein gemeinsames Foto, kniete er auf den Boden mit der Bemerkung "Moment, ich komme zu Dir runter, nachher komme ich vielleicht nicht mehr hoch, aber ich komme zu Dir runter". Auch wenn man bisher den Eindruck hatte, ihm würde der Erfolg einfach so zufallen, Zitat seiner Mutter: "Dieser Junge hat noch keinen Tag in seinem Leben gearbeitet, er hat nur gesungen", wurde in Gstaad deutlich, mit welchem Engagement und auch mit welcher Hingabe er seine Musik präsentiert. Um etliche Pfunde leichter als früher und mit zwei fünfjährigen Söhnen, den eineiigen Zwillingen Justin und Jordan, hat Kenny Rogers agil zu bleiben. Seine Band war ein perfekt eingespieltes Team der Superlative, angesiedelt im hinteren Bereich der Bühne, auf die bekannten Effekte seiner Musik musste man nicht verzichten. "Love Or Something Like It" und "If You Want To Find Love" waren seine ersten Stücke, die lautesten, die er im Repertoire habe, wie er mit viel Ironie im Blick kommentierte.
Kenny Rogers hat die Grenzen der Country Music mit seiner Musik weit ausgedehnt und ihr ein neues, städtisches Publikum erschlossen, was ihm auch massive Hits in den Pop Charts eingebracht hat, die meisten nach seinem 40. Geburtstag, was auch ein Phänomen darstellt. Schon am 14. September 1978 hatte er seinen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame erhalten. Mit "Buy Me A Rose" wurde er mit 61 Jahren zum ältesten Künstler, der je einen Nummer 1 Hit landen konnte in Billboard‘s Country Charts, er brach damit den Rekord von Hank Snow, der 1974 mit 60 Jahren "Hello Love" an die Spitze getragen hatte und wurde drei Jahre später vom damals 70-jährigen Willie Nelson als Rekordhalter abgelöst, der im Duett mit Toby Keith „Beer For My Horses" an die Spitze trug. Kenny‘s Kommentar vorab: "men are from mars, women are from venus", denn das Lied handelt vom gegenseitigen Unverständnis, mit dem die Geschlechter sich zeitweise begegnen und es beschreibt die Erlösung die eintritt, wenn man erst einmal gemerkt hat, was das jeweils andere wirklich möchte. Die esoterische Ader oder der „Freidenker" spielt durchaus eine gewisse Rolle im Leben und Fühlen des Weltbürgers Kenny Rogers. Der Hit "Rueben James", wo jeglichem Rassenhass mit selbstverständlichem Unverständnis begegnet wird, unterstrich dies schon 1969, ihm folgte auf der Bühne Soul Music mit seinem ganz frühen Hit "I Just Dropped In To See What Condition My Condition Was In", seine Stimme bestens hierfür geeignet, keine Frage und keine Abstriche und noch mehr Rhythmus gab es bei "Bo Diddley". Kenny Rogers hat mit großartigen Sängerinnen Duetthits gelandet, unter ihnen Dottie West und Dolly Parton. Sein Lieblingsduett "We’ve Got Tonight" (Titelsong seiner LP von 1983) hat er mit Sheena Easton an die Spitze der Country Charts getragen, in Gstaad sang er es solo. Sehr schön das zu ihm passende Lied über Freundschaft "Have A Little Faith In Me", wer geglaubt hatte, Kenny Rogers würde irgendwelche langweiligen Balladen singen, wurde mit jedem Lied eines besseren belehrt. Zu "The Gambler" spielte er auf den links und rechts von der Bühne angebrachten Leinwänden Ausschnitte aus allen fünf entsprechenden Filmen ein, u.a. war dort neben Kenny Rogers selbst Reba McEntire zu sehen, das Lied war 1978 sein fünfter Toperfolg, für drei Wochen Platz 1 in Billboard‘s Country Charts. Sodann blendete er zu seinem ersten Toperfolg zurück, "Lucille" von 1977. Diese markanten Hits in der Version des Mannes zu erleben, der sie zu zeitlosen Klassikern gemacht hat, war jegliche Anreise wert, auch wenn Kenny Rogers spürbar alles geben muss, um diese hochklassige Performance auch heute noch zu bringen. Aber, das tut er, der zweistündige Radiomitschnitt bei DRS-1 am Sonntag, den 14. September im „Country Special" von 20 bis 22 Uhr bewies dies, eine Stunde gehörte ausschließlich dem Auftritt von Kenny Rogers. Sechs Wochen Platz 1 der Pop Charts, eine Woche an der Spitze der Country Charts, "Lady" aus der Feder von Lionel Ritchie, Gänsehaut, gigantisch. Lustig, wie er immer das Publikum in seine Show einbezog und wie er einen running gag daraus machte, wenn das erwartete Mitsingen eines Refrains seitens des Publikums schiefging. Er hat es verkraftet und erklärte, dass er nicht mehr das Mikrophon zur Seite legt, wie er es 30 Jahre lang gemacht hat, um von der Bühne zu gehen, und um für Zugaben zurückgeholt zu werden, sondern er gehe jetzt automatisch auf die Zugaben über, klar, dass dort "Islands In The Stream" anstand, das 1983 im Duett mit Dolly Parton parallel für je zwei Wochen an der Spitze der Country und der Pop Charts stand. Am Samstag gabs ein weiteres Lied zum Abschluss, aber dann galt die klare Ansage wie seinerzeit bei Elvis "He has left the building". Die Energie, die er versprühte, die Freude, mit der er die Leute für sich gewinnen kann, das alles hinterließ jeweils ein restlos begeistertes Publikum, tosenden Applaus und standig ovations, zu Recht, keine Frage. Kenny Rogers sucht nach wie vor die Herausforderung, mit Erfolg.
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