Kötzer Country Festival erfreut sich höchster musikalischer Qualität

27. Internationales Country Music Festival der Country Friends Kötz

Großkötz – hog Das renommierte Festival, das seit 1998 in der Günzhalle Großkötz stattfindet, litt am Freitag, den 04. Juni unter der erstmals in diesem Jahr sommerlichen Witterung und der open air Konkurrenz, die ungeschickterweise parallel in Günzburg inszeniert worden ist. Am Samstag, den 05. Juni hatte sich die Halle hingegen recht ordentlich gefüllt. An beiden Festivaltagen boten die Country & Western Friends Kötz Country Music verschiedenster Stilrichtungen in Vollendung. Das gilt für das künstlerische Niveau ebenso wie für den stets differenzierten Sound in der Halle, der es ermöglichte, jeweils allen Instrumenten zu folgen. Präsident Peter Wroblewski rief unter dem Eindruck der herausragenden Musik und des begeisterten Publikums für den 23. & 24. Juni 2011 das 28. Kötzer Country Music Festival aus.

Wie immer war die Veranstaltung für Musikliebhaber, Familien und Tänzer eine geeignete Begegnungsstätte. Zwei Tanzflächen an den Seiten ermöglichten dem konzertanten Publikum den Sichtkontakt zu Bühne. Dort hatten am Freitag Texas Heat aus Köln zu Beginn ein genial schönes akustisches Set mit kleinem Schlagzeug gespielt, die Resonatorgitarre von Pit Lenz war an prominenter Stelle im Einsatz und der klare, differenzierte Sound, auf den die Country & Western Friends Kötz großen Wert legen, ermöglichte den optimalen Zugang zur Musik. Die Fans waren aus weiten Teilen Deutschlands angereist, aber auch aus Holland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz. Überall dort ist das Musikdorf Kötz für sein Country Festival bekannt, das mit Simple Union aus München in die zweite Runde ging.

Für Anja Hager, die gerade ihr Abitur macht, war ihr Geigenlehrer Rupert Paulik an Fiddle und Mandoline eingesprungen, ein professioneller Bluegrasser erster Güte. Wer Mary Chapin Carpenter mag, war bestens aufgehoben und „Empty Bottle Of Wine" aus der Feder von Leadsängerin Carina Hager und Leadgitarrist Franz Offergeld zeigte, wie die Schönheit der Country Music auch in Deutschland in neue Lieder umgesetzt werden kann. Überhaupt war es wieder ein äußerst harmonisches Festival, das den Campingplatz an der Halle restlos gefüllt hat. Dort fanden etliche Jam Sessions und musikalische Begegnungen statt, die zur Kötzer Atmosphäre einfach dazugehören. Solche Festivals findet man anderswo nicht, wo familiäres Zusammengehörigkeitsgefühl noch einen so hohen Stellenwert hat. Die dritte Band am Freitag waren aus Kaufbeuren Pistol Pete’s Dinosaur Truckers. Sie schossen mit ihrer akustischen Musik den Vogel ab und hatten in kürzester Zeit nach ihrem Auftritt einen ganzen Koffer CD’s verkauft. Erstmals traten sie vor solch großer Festivalkulisse auf und sie lebten sich rasch ein. Ihre Musik hat einen Hauch von Bluegrass, Hank Williams und Johnny Cash, kommt aber meist aus eigener Feder. Vier junge Männer um Mitte 20 haben das Lebensgefühl jener Zeit, als aus Hillbilly und Rhythm’n’Blues um 1950 herum sich der Rock’n’Roll entwickelt hat, perfekt in sich aufgenommen und konnten es entsprechend mit Spielfreude und Spielwitz wiedergeben. Das Publikum war restlos begeistert und Mandoline, Banjo, Gitarre und Kontrabass konnten sich in allen erdenklichen Geschwindigkeiten munter austoben.

Am Samstag ging bei idealem Campingwetter das Festival gegen 13.30 Uhr in seinen zweiten Tag. Auf dem Campinggelände neben der Halle spielten GrassCountry unplugged Bluegrass, allerdings ohne Mandoline und Fiddle. Sie waren um 3 Uhr im slowakischen Trnava gestartet, um rechtzeitig in Kötz zu sein und erfreuten mit Banjo, Dobro, Kontrabass und Gitarre die zahlreich erschienenen Musikfans. Ein kleines Schlagzeug war für den Rhythmus zuständig und Natalia Mikuskova erwies sich als absolut herausragende Sängerin. Das Gefühl für die Musik und die Fähigkeiten der Musiker aus der Heimat der legendären Dopyera Brothers sind enorm, sie können sich mit jeder amerikanischen Topformation mühelos messen. Als sie gegen 16 Uhr in der Günzhalle weiterspielten, u.a. das wunderschöne „Whiskey Lullaby", zeigte sich rasch, dass der Samstag ein Publikumserfolg sein würde. Rasch füllten sich die Plätze und Texas Heat konnten mit ihren beiden elektrifizierten Sets Maßstäbe setzten, was sauber gespielte Honky Tonk Music angeht. Dieser Stil der Country Music setzt eine Steel Guitar voraus und die Fender Telecaster von Leadsänger Bernd Wolf erwies sich einmal mehr als mehr als nur ein „Piece Of Wood", wie er in einem seiner Lieder liebevoll über das Instrument singt. Die Band liebt bedeutungsvolle langsame Lieder und kam in Kötz auch damit gut an, da dort ein besonders aufmerksames Publikum Tradition ist. Dass dies den Musikern besonders große Freude bereitet, konnte man allen Bands anmerken, besonders natürlich der Band aus Kalifornien, Rancho Deluxe. Nach dem Weggang von Leadsänger und akustischem Gitarristen Mark Adams mussten sie sich neu orientieren, aber Jesse Jay Harris als nunmehrigem alleinigen Bandleader und neuem Leadsänger war dies in jeder Hinsicht gelungen. Seine feine elektrische Gitarre in Verbindung zur Pedal Steel Guitar von Danny Naccarato ließ keine Wünsche offen, was kalifornisches Lebensgefühl und Country Rock im Stil der Flying Burrito Brothers bzw. Gram Parsons angeht. Deren Klassiker „Wheels" war zu hören, aber auch viele eigene Stücke von Jesse Jay Harris wie „Election Day", der nach seiner Aussage bei der letzten Präsidentenwahl nicht nur hoffnungsvoll, sondern letztlich auch besonders erfreulich war. Jesse Jay Harris erwies sich nicht nur als Songschreiber und Sänger als herausragend, sondern auch als genialer Gitarrist.

Zu Beginn des Abendprogramms wurde von Moderator Jürgen Merz die German Bluegrass Music Association vorgestellt, die vor wenigen Wochen als Dachverband für die Förderung des Bluegrass in Deutschland als eingetragener Verein gegründet worden ist, www.bluegrass-germany.de . Jede Band hatte am Samstag zwei Sets, und die Pyromantics aus Österreich erwiesen sich in jeder Hinsicht als großer Wurf. Angefangen hatte alles ganz harmlos mit „Goodhearted Woman", am Ende ihres zweiten Sets spielten sie um und nach Mitternacht eine gigantische Rock’n’Roll Show, die die Leute auf die Tanzfläche holte. Hatten Rancho Deluxe schon vier Zugaben geben müssen, um von der Bühne gelassen zu werden, ließen The Pyromantics den Saal Kopf stehen und schlossen eine Veranstaltung ab, die trotz der Konkurrenzen nicht die letzte in ihrer traditionsreichen Reihe gewesen sein kann. Während der Saal noch am Kochen war, versprach Präsident Peter Wroblewski für den 24. & 25. Juni 2011 das 28. Kötzer Country Music Festival. Qualität hat sich wieder einmal durchgesetzt und dies gilt für alle sechs Bands gleichermaßen, die aktuellen Charttrends der Dollar-geilen Musikindustrie eine Absage erteilten. Alle Bands setzen auf Substanz und waren mithin gemeinsam mit dem begeisterten Publikum die Gewinner dieser Veranstaltung im Sinne authentischer Country Music zum Genießen.

Ausblick:

Bereits am Donnerstag, den 10. Juni erwarten die Country & Western Friends Kötz mit David Olney und Sergio Webb ein bewährtes Duo der gehaltvollen Art aus Nashville. Sie gastieren in einer Kooperationsveranstaltung mit den Illertal Cowboys ab 20 Uhr in Vöhringen-Illerberg im Alten Sportheim. (Friedrich Hog)

 





 
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