Das grosse Ereignis von
Willisau.
Das 10. Spring Bluegrass Festival
Willisau als Jubiläumsausgabe am 9. Mai 2009.
Man
kann sich kaum etwas Gegensätzlicheres vorstellen als die beiden
dominierenden Bluegrass Festivals in Westeuropa: Willisau in der Schweiz
und Bühl/Baden in Deutschland, jedes dieser Festivals mit ganz eigenem
Charakter und eigener Atmosphäre. Bühl mit seinem Bürgerhaus im Zentrum
der Stadt, einem Konzertsaal mit vorzüglicher Akustik, zwei grossen
Foyers, einem einladenden Vorplatz und dem benachbarten Stadtgarten zum
Jammen.
Das Festival Willisau dagegen im Schweizerischen Landwirtschaftlichen
Museum Burgrain weit ausserhalb bei Alberswil auf einem kleinen Hügel
gelegen inmitten einer malerischen Landschaft, wie man sie auch irgendwo
in Virginia oder North Carolina finden kann. Die Atmosphäre also total
ländlich, ideal zur dargebotenen Musik passend, denn in einer solchen
Umgebung hat sie sich ja einmal entwickelt, die Old Time Music und die
daraus resultierende Bluegrass Music.
Zum 10. Spring Bluegrass Festival von Willisau,
am 9. Mai 2009, hatte man sich zum Jubiläum dann auch etwas Besonderes
einfallen lassen. Neben der grossen Bühne im Parterre der riesigen
Ausstellungshalle, einer ehemaligen Scheune, hatte man , sozusagen auf
der Tenne, im Obergeschoss noch einen kleinen Saal hergerichtet, sodass
der Besucher ständig zwischen verschiedenen Bands wählen konnte. Und so
bewegte man sich locker inmitten von altem landwirtschaftlichen Gerät,
Traktoren-Oldies, Sensen, Dreschflegeln oder Güllemischern und konnte
die Musik geniessen.
Und wer Willisau bereits kennt und liebt, der
weiss auch, dass man gegen Abend eine warme Jacke benötigt, denn da
klaffen stilecht an den Wänden der Museumsscheune mehr oder weniger
grosse Spalten, durch die man tagsüber das Wetter beobachten kann. A
propos Wetter, als am Spätnachmittag ein starkes Gewitter einsetzte,
übertönten die dicken Regentropfen, die auf das Dach prasselten, fast
die Musik. Ein Musiker hielt sich sogar ängstlich seine Gitarre über den
Kopf. Aber dies nimmt man gelassen, niemand beschwert sich, man ist eben
auf dem Land.
Doch nun zur Gemeinsamkeit von Willisau und
Bühl. Beide Festivals bieten Bluegrass Music auf sehr hohem
künstlerischen Niveau, wobei auch immer die richtige Mischung beachtet
wird, dank der Arbeit von Bruno Steffen und Paolo Dettwiler, und so war
auch in Willisau das musikalische Spektrum wieder breit gefächert. Die
Schweiz wurde vorzüglich repräsentiert durch „Rosewood Delight", Wayne
Henderson und Helen White aus den USA boten zusammen mit den deutschen
Looping Brothers Old Time und Bluegrass auf höchstem Niveau, ob als Duo,
Trio oder als Quintett. Lilly Of The West aus Bulgarien setzte zusammen
mit der Tschechischen Band „Monogram" leicht exotische Akzente. Gerry
O’Connor aus Nord-Irland fiel durch eine ungeheuer aufwühlende Musik
auf. Das Duo auf Gitarre und Banjo feuerte Stakkato-Salven auf das
Publikum ab, synkopiert und kontrapunktisch ausreizend bis zum Abwinken,
irgendwie immer gegen den Herzrhythmus gerichtet, sodass sensible
Naturen zu Beklemmungen neigten. Dennoch, das Publikum akzeptierte es
und dankte mit stehenden Ovationen. Das genau Gegenteil dazu die Musik
des kanadischen Trios „RedGrass". Drei wunderschön aufeinander
abgestimmte sonore Männerstimmen, tolle Instrumentalarbeit, witzige
Songs, z.B. „Bluegrass Saved My Life" und eine launige Moderation. Dabei
konnte man sich ausgiebig erholen. Auch „Viper Central" aus Kanada
sollte nicht vergessen werden, doch für viele Besucher waren Randy
Waller & The Country Gentlemen die Offenbarung des Festivals. Vor allem
ältere Besucher erinnerten sich bei dieser einst revolutionären
Bluegrass Music der 2. Generation an Randy’s Vater, den Sänger und
Gitarristen Charlie Waller. Und dass Randy die wunderbare Stimme seines
Vaters geerbt hat, macht ihn, den Sohn, sogar stolz. „Ja, der liebe Gott
hat mir die Stimme meines Vaters geschenkt", sagt er im vertraulichen
Gespräch. Dass neben neuen Songs auch immer wieder die alten, bekannten
Lieder der Country Gentlemen intoniert wurden, beweist, dass Randy
Waller genau weiss, was seine Zuhörer erwarten, nämlich Songs wie „Redwood
Hill", „Fox On The Run", „Bringing Mary Home" oder für die Schweizer
besonders interessant „Matterhorn".
Als der Festivaltag nach Mitternacht langsam
zu Ende ging, empfand man es als sehr angenehm, nicht wie früher über
eine feuchte Wiese mit Kuhfladen laufen zu müssen, um zu seinem Auto zu
finden, nein, die ganze Strasse hatte man gesperrt und ein Teil davon zu
einem Parkplatz umfunktioniert.
Fazit: Neben sehr guter Musik gab es in
Willisau wieder zahlreiche gute Gespräche mit den vielen Schweizer
Freunden, die wir teilweise eine Woche vorher schon in Bühl getroffen
hatten. Wir trafen auch wieder jenen Journalisten aus Luzern, den ich
vor 2 Jahren wegen seiner dunklen Kleidung für einen Pfarrer gehalten
hatte. Nur, jene herzallerliebste Kuh, für die ich damals so geschwärmt
hatte, die ist mir in diesem Jahr nicht wieder begegnet. Schade!
So, if the Good Lord’s willin’ and the creeks
don’t rise, dann biegen wir auch im kommenden Jahr wieder auf der N2 bei
Dagmersellen rechts ab in Richtung Willisau.
Walter Fuchs