Las Vegas, Donnerstag, 21. April 2011 Teil 3

Heute müssen wir die Armbänder, die beweisen, dass wir für das VLV bezahlten, abholen. Des weiteren besorgen wir uns eine Internet-Karte, damit wir die Berichte übers VLV 14 endlich verschicken können. (Anmerkung: Es war keine Karte. Wir konnten uns über den Fernseher ein Passwort besorgen)
Da unsere Reise nach VLV weiter nach Texas führt, erlitt ich einen gehörigen Schock, als ich im Fernsehen sah, dass der Lone Star State von Grenze zu Grenze brennt. DAS ist nicht gut…..

Am Morgen gingen wir, wie gehabt, essen. Hierauf folgte ein Kurzaufenthalt im Zimmer, dann holten wir die Armbänder ab. Ich staune immer wieder, wie in Las Vegas am Rockabilly-Festival innert kürzester Zeit so viele Menschen mit gleichen Interessen aufeinander treffen. Plötzlich gab‘s da Franzosen, Engländer, Holländer, etc. Das großzügig angelegte Casino war überall von Rockabilly & Rock’n’Roll Fans belagert und auch die Schlange für die Armbänder war extrem lang. Da glänzten welche in Tattoos, viele Chicks trugen dieselben Kleider, die Frisuren waren zum Teil wunderschön, die Schuhe so hoch, dass ich mit den Füssen der Damen Mitleid hatte. Die lange Reihe vor uns erleichterte mich für einmal. Denn ohne die hätten wir den Ausgabeort nie gefunden, hieß es da doch ‘Piano Lounge’ und die gibt es im Orleans Casino so beschriftet nicht.
Also in die Schlange stehen und Menschen beobachten. Obwohl die Reihe lang war, ging’s zügig voran. D.h. wir hatten die Fesseln schnell um. Hernach ging’s noch einmal aufs Zimmer, Kräfte tanken (und überprüfen, was andere am Vorabend so gesoffen haben, denn den Abfall stellt man hier vor die Hoteltüre). Schliesslich rafften wir uns dazu auf, die Autoshow anzusehen. Bereits gestern standen ein paar Oldtimer vor dem Hotel. Heute sollten es bedeutend mehr sein. Am niedlichsten finde ich die kleinen Hot Rods, deren Besitzer allerdings eine Vorliebe für Zombies und Übernatürliches an den Tag legen. So weisen viele dieser schwarzen Flitzer Toten- und Schrumpfköpfe auf, daneben prangen aufgemalten Pin-Ups und Spinnweben. Und obschon sie so klein sind: Die schwarzen Ungeheuer klingen nach der Hölle, sobald ihre Motoren auf Tour kommen. Neben den Minis glänzen aber auch seltene Oldtimer, etwa ein wunderschöner grauer Ford, viele spezielle Chevis, ja sogar Fahrzeuge, die wie Bausätze wirken, sind auszumachen. Von grellviolett über kanariengelb bis hin zum unlackierten schwarzen Schlitten ist die ganze Farbpalette vertreten. Die Besitzer der Vehikel baden denn auch gerne in den begeisterten Komplimenten, die Besucher ihnen machen. Dann wiederum kann man die Jungs beobachten, wie sich die Experten austauschen. Diese Gemeinschaft ist für mich etwas besonderes. Sie tauscht sich nämlich aus. Und steckt viel Liebe, Zeit, Geduld und Geld in ihre Projekte. Da es sich hier nicht um Bank-Manager handelt, ziehe ich vor ihnen den Hut.

Mein Favorit ist ein kleiner schwarzer Flitzer mit einer dunkelroten Flamme auf der Seite. Klar, es gibt viele Fahrzeuge, die viel auffälliger sind, doch der Kleine hat was. Er ist nicht so protzig wie die anderen, die Pin-Stripes (eine besondere Bemalung, die unter Hot Roddern für meinen Geschmack etwas zu populär ist) halten sich in Grenzen und er hat die richtige Grösse. Er ist nämlich klein. Wie ich.

Der Grellviolette etwa, war mir zu protzig. Und zu auffällig. Viele Autos waren tiefer gesetzt, was für mich, auch wenn es wahrscheinlich nicht so ist, ein gewisses Risiko nicht ausschliesst, das ich nicht eingehen möchte (wer nimmt schon gerne den Boden, über den man fährt, mit?). Viel lieber wäre mir da ein so kleiner schwarzer, aggressiver Rebell……
Eine tolle Indian ist ebenfalls ausgestellt, nur ist sie bis dato das einzige Motorrad auf dem Platz, der allerdings immer noch aufgebaut wird. Es entsteht eine kleine Stadt für sich, mit Eis- und Bierstand, Bühne im Freien (dort werden die Blasters und JLL auftreten).

Nach dem Ausflug ins Oldtimer-Paradies spazierten wir wieder ins Zimmer, erholten uns ein bisschen und machten uns schließlich auf, um die vielen Warenstände zu besuchen. Dort herrschte aber ein solcher Rummel, dass wir den Platz beinahe panikartig verliessen. Die Schweizer Kollegen, die wir dort trafen meinten, die Weibsen hätten sich beinahe die Kleider aus den Händen gerissen. Nun, da bin ich wohl wieder einmal anders geschaffen. Ich habe mir die CD’s angesehen. Die Auswahl ist relativ gross, doch fand ich nichts, was auf meiner Wunschliste stand. Dafür kaufte ich mir die schnelle Hawksaw Hawkins CD, den Wynn Stewart Tonträger und noch eine unbekannte Louisiana-Hillbilly Scheibe. Dann war’s mit meiner Geduld zu Ende. Die Kollegen zu treffen, war angenehm. Man konnte sich kurz austauschen (der eine Junge fuhr 8’000 km durch die USA und hielt sich schon 14 Tage in den Staaten auf), doch der Lärm ist gross und richtig verstehen fällt schwer.

Nun sind wir wieder auf dem Zimmer und bereit für das erste Konzert. Hier ist es knapp 19.00 Uhr. In Deutschland 03:53 Uhr. Der erste Akt wird Lil’ Mo & The Dynaflos im Ballroom sein dann, eine ¾-Std. später stheenn die Still Creek Brothers auf dem Programm. Beide Bands habe ich mir markiert, d.h. ich möchte sie sehen. Nachher geht’s wahrscheinlich Richtung Zimmer. Das Programm ist schlecht. Heute gibt’s nichts mehr, was mich interessiert. Morgen siehts, mit den Horton Brothers und den Sureshots, glücklicherweise etwas anders aus. Mal sehen, was der Abend noch bringt……

Nun. Um’s kurz zu machen: Er brachte nichts. Nur viele Menschen. Die Massen waren riesig, keiner nahm auf den anderen Rücksicht. D.h. es galt die Devise: Schönheit vor Recht. Oder eingebildete Schönheit vor Recht, um genau zu sein. (Habt ihr mal ein Pin-Up ohne Schminke gesehen? Nun - es sieht sicher nicht besser aus als Pam (Anderson) ohne Make-Up.) Als relativ klein gewachsene Person ihatte ich schnell zu lernen, dass Grosse immer vorne sind (ganz nach Peter Alexander: Die süssesten Früchte kriegen nur die grossen Tiere….). Wieso, weiss ich auch nicht. Scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, das erstaunlicherweise einmal für beide Geschlechter gilt.

Egal. Das Durchkommen war schwierig. Wenn es sich wenigstens gelohnt hätte. D.h. die Warenbuden sind toll zusammengestellt. Vor allem die Kleider wären einen Hingucker wert. Wenn man nur dazu käme. Zeitweise gab’s nicht mal ein Vorwärts-kommen, so eng waren die Räume und so fleißig besucht. Wir gaben’s schnell auf. Schneller als Andere. Die haben nun die Schnäppchen im Gepäck. Wir sahen uns dafür Lil’ Mo an. Der Junge stand erstmals, wie schon vom Ansager Big Sandy be-tont, auf der Hauptbühne. Na ja. Lil’ Mo hätte besser in einem Schuppen noch ein bisschen geübt. Die Gruppe sang falsch. Für Doo-Wop, der gerade durch die ausge-zeichneten Harmonien und die Zusammensetzung der einzelnen Stimmen glänzt , ein “No-Go”. Was Lil’ Mo nicht zu spüren schien. Der Junge barst vor Energie. Wenn die aber aus falschen Tönen besteht, wird’s unerträglich. Wir hielten’s ca. 10 Minuten aus, d.h. so lange wie viele andere auch und verließen darauf das Ballroom. Weiter ging’s nebenan, mit einer Gruppe aus Vancouver. Junge Männer, den Still Creek Brothers. Auch wenn ihre Web-Seite viel verspricht: Die Buben sind noch nicht reif für die Bühne. Was heisst, sie müssen noch viel üben. Die Stimme des Sängers ist nicht stark genug, die Harmonien gingen voll in die Hose. Nur der Bass war gut. Die Band startete im BR5-49 Stil und endete gerade bei Johnny Horton, als wir fluchtartig den Saal verließen. Johnny gehört zu einem meiner Vorbilder. Wird er aber so kopiert, wie von den Still Creek Brothers, vergeht mir der Spass. Selbst wenn ich sicher bin, dass der Song nur aus Verehrung für einen der grossartigsten Sänger der Country Musik vorgetragen wird. Da geht einfach aller Respekt ab. Also nichts wie ‘raus. Und ins Hotelzimmer. Ausschlafen. Und auf die Horton Brothers hoffen.