Die „Newhouse Strings“ lohnen eine lange Anfahrt – Konzert in Sünching am 21. Mai

Als mir Armin Eindl beim Konzert der Bellamy Coverband in Schwarzenfeld von seiner Band, den „Newhouse Strings“, erzählte und mich einlud, zu ihrem Konzert nach Sünching zu kommen, konnte ich nicht viel damit anfangen. Und wo ist überhaupt Sünching? Armin gab mir noch den Hinweis, auf der Homepage der Band nachzusehen, es gäbe dort einige Videos unter „Kostprobe“. Weil, so ganz sicher, ob die Band etwas für unsere Seite sei, das wisse er nicht. Sie würden neben Mark Knopfler, Eagles oder Shania Twain zum Beispiel auch Songs von Reinhard Fendrich oder Ludwig Hirsch spielen. Mir ging die Frage durch den Kopf: Wie passt ein österreichischer Liedermacher nun zu Country? Da war es schon wieder, dieses Genredenken!

Gut, zuhause ging ich auf die Seite der Band, rief die Clips auf, und…

Ich war begeistert. Das war Folk, das war Bluegrass vom Feinsten. Das waren tolle Stimmen im Harmoniegesang, das war handgemachte Musik und das waren vor allem Musiker, die hatten Spaß an dem, was sie machten. Somit stand seit Wochen der 21. Mai als fester Termin in meinem Kalender.

Aber wo liegt Sünching?

Der Routenplaner teilte mir mit, dass der Ort hinter Regensburg liege, etwa eine Stunde – das ging ja - von meinem Wohnort Amberg entfernt. So machte ich mich also an besagtem 21. Mai auf den Weg. Nach der Ausfahrt Rosenhof und dem Ort Pfatter (?!) wurde es sehr ländlich und kurvenreich. War ich überhaupt richtig? Aber die Straße ging ja nur geradeaus und in Sünching fand ich auch sofort die Montessori Schule, den Veranstaltungsort. Dort stellte ich mein Auto ab und entdeckte gegenüber im Biergarten des italienischen Restaurants Gesichter, die ich im Internet schon gesehen hatte. Ich ging also darauf zu und wurde sehr freundlich begrüßt. Es war ein Gefühl, wie wenn man sich schon eine Ewigkeit kennen würde. Eine unheimlich sympathische Band. Beim gemütlichen Essen streute ich immer wieder eine Frage ein, die ich mir vorher für ein Interview überlegt hatte, doch Lothar teilte mir mit, dass er doch eine Pressemappe für mich dabeihabe. Wow!

Wer sind also die „Newhouse Strings“? Im Jahr 1998 fanden sich vier Musiker aus Neuhausen bei Deggendorf für ein Fest zusammen. Eigentlich war damals nur dieser einzige Auftritt geplant, aber das Publikum wollte mehr. Und so wurden die „Newhouse Strings“ geboren. Mittlerweile hat sich die ursprüngliche Besetzung geändert und es gibt nur noch einen echten Neuhausener in der Band: Lothar Kolb, dem Percussionisten der Band, der aus allen möglichen Geräten und Gimmicks Töne und Geräusche herausholt. Seit Herbst 2009 spielen die „Newhouse Strings“ nun in der heutigen Besetzung, da trat nämlich der Multi-Instrumentalist Armin Eindl zusammen mit seiner Tochter Jenny, Bassistin mit einer Wahnsinnsstimme, der Band bei. Zur Gruppe gehören dann noch Camillo Kraus und Werner Mini, zwei Mitglieder der früher in Deggendorf legendären Horseapple. Camillo Kraus stand schon mit der Spider Murphy Gang oder mit Middle of The Road auf der Bühne. Jedes Mitglied der „Newhouse Strings“ ein Vollblutmusiker/in, von denen jeder einzelne auch noch mit einer fantastischen Stimme ausgestattet ist.

Wie könnte man nun den Stil ihrer Musik beschreiben? Sie selbst sagen: Die Mischung macht´s. Die „Newhouse Strings“ spielen in der Besetzung einer amerikanischen Folk-Band mit Instrumenten wie Mandoline, Dobro, Gitarren, Ukulele, Lapsteelgitarre, Bluesharp, Akkordeon und Bass. Ihre Liedauswahl geht quer durch den musikalischen Gemüsegarten: mehrheitlich vom Country beeinflusste Songs zum Beispiel von den Eagles, Mark Knopfler, Shania Twain oder sogar Vince Gill, über Beatles, Reinhard Mey bis zu Willy Astor. Aber alles in einem eigenen Stil, der geprägt ist von einem mehrstimmigen Gesang und einer Vielzahl wechselnder Instrumente. Dazu kommen noch die sehr amüsanten Anmoderationen von Lothar Kolb, in denen man unter anderem etwas über die Eigenarten des Bayern an sich erfahren kann, aber die letztendlich mit dem darauf folgenden Lied nichts zu tun haben  – Comedy pur! Dabei reagiert Lothar auch spontan auf Zuschauerreaktionen. Zu Beginn des Konzerts findet der musikalische Komödiant sogar die Zeit, jedem einzelnen Zuschauer zur Begrüßung die Hand zu geben, denn der Saal der Montessori-Schule war ja nicht groß.

Das aktuelle Bühnenprogramm der „Newhouse Strings“ heißt „Jetzt erst recht“. Eigentlich hätten sie es „Männer in den besten Jahren“ nach einem Titel von Stefan Gwildis, den sie ebenfalls im Programm haben, nennen wollen, aber da hätte sich Jenny unterdrückt gefühlt. Jenny Eindl war mit ihrem roten Kleid und den langen blonden Haaren im Gegensatz zu ihren in Schwarz gekleideten Bandkollegen schon der Blickfang auf der Bühne oder wie die männlichen Mitglieder sagen, ein echtes Schmankerl, da sie den Altersdurchschnitt gewaltig nach unten drücke. Bei Amy MacDonalds „This Is The Life“ oder „Dream a little Dream of me“ erinnert ihre großartige Stimme stark an Cass Elliot von den Mamas and the Papas.

Einer der Höhepunkte des Konzerts für mich war auch die Interpretation des Eagles-Titels „Tequila Sunrise“, bei dem Camillo Kraus die Leadvocals übernahm. Die übrigen Mitglieder gestalteten dazu einen wunderbaren Backgroundgesang, der den originalen Eagles in nichts nachstand. Ebenso die hervorragende Leadstimme von Werner Mini, der zudem ein perfekter Mundharmonikaspieler ist, bei „Raindrops keep falling on my Head“. Im großen Repertoire der „Newhouse Strings“ darf natürlich Fendrichs „Weus´d a Herz hast wia a Bergwerk“ nicht fehlen, wieder im typischen „Newhouse Strings –Sound“ als Duett mit Jenny und Lothar. Für Reinhard Meys „Herbstgewitter“ bekommt Lothar für seinen Gesang von den Bandmitgliedern und vom Publikum auch seine Streicheleinheiten. War klar, dass die Zuschauer nach zwei Zugaben, einschließlich Elvis Presleys „All Shook Up“, die „New House Strings“ noch nicht gehen lassen wollten. Aber es gibt in diesem Jahr noch weitere Termine, wo man die „Newhouse Strings“ erleben kann, nachzulesen auf deren Homepage unter www.newhousestrings.de .

Wenn es terminlich passt, werde ich das Konzert bei ihrem Heimspiel, wie sie sagen, in Plattling besuchen. Das sind dann eineinhalb Stunden Fahrtzeit, aber ein Konzert der „Newhouse Strings“ lohnt auch eine lange Anfahrt.

 

Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net)