Interview mit Jeff Walker beim 39. CRS, 2008
Ch.L.
Jeff, knntest du unseren Lesern bitte erklren, was CRS ist?
JW: Klar, jedes Jahr gegen Ende Februar oder Anfang Mrz halten die
Country Radiosender eine gro゚e Zusammenkunft, ein Convention, frs Radio
in Nashville ab. Country Radio ist das dominierende Musikformat in den
Vereinigten Staaten, es gibt ber 2000 Radiosender mit Country
Musikprogrammen.
Das Country Radioseminar bietet allen Radiosendern an, zusammen zu
kommen und mit den Plattenfirmen aus Nashville ber gemeinsame Fragen zu
diskutieren, dabei kommen viele gute Dinge heraus, weil sie nicht nur
ber Tagesthemen sprechen, sondern es werden auch all die gro゚artigen
Knstler prsentiert und auch neue Leute, die ihren Weg gehen wollen und
sich mit neunen Plattenfirmen treffen wollen. Und neue Netzwerke bilden
sich heraus.
CRS ist nun schon im 39. Jahr und nchstes Jahr wird der 40.
Geburtstag sein, deswegen gibt es viele Feste und diese Woche war
einfach nur unglaublich. Wir haben Auftritte von Knstlern gesehen, diese
reichen von neuen Knstlern wie Lady Antebellum bis Garth Brooks. Alan
Jackson performte bei unserem Hall of Fame Dinner und dann hatten wir
noch aufstrebende Knstler wie Keith Anderson und ein neues Mdchen, Emily
West, sie hatte ihren ersten Auftritt.
Es war wirklich sehr aufregend und wir sind sehr froh, dass wir die
Untersttzung von dir haben, Christian, du kommst aus dem fernen
Deutschland, um dazu zu gehren und um zu sehen, was mit den neuen und
den bereits bekannten Knstlern der Country Musik passiert.
Ch.L.: Die Idee hinter CRS ist, dass die Medien die Knstler ohne die
Fans treffen knnen. Stimmt das so?
JW: Ja, dieses Jahr wollten sie die Interaktionen mit den Fans
zurckschrauben und du wei゚t selbst, dass manche Jahre erfolgreicher sind
als andere. Das ist grundstzlich ein Geschft gleichrangig einem Event
und das ist, was wir wollen.
Ch.L.: Was mssten europische Bands tun, wenn sie zu CRS kommen wollen?
JW: Nun, es wrde fr sie nicht wirklich Sinn machen, zu CRS zu kommen.
Es wre sinnvoller zu dem CMA Music Festival im Juni zu kommen, wo es
viele Mglichkeiten gibt, in Clubs und bei Tagesveranstaltungen
aufzutreten. Zu dieser Zeit sind ber 30 000 Fans in der Stadt und Fans
und Knstler knnen aufeinander zugehen. Das ist ein Event, das besonders
fr Knstler aus ワbersee entworfen wurde, und deswegen wrde es eben
sinnvoller sein, sich fr diese Art von Event zu entscheiden.
Ich wrde den Knstlern nicht empfehlen her zu kommen, weil, wie ich
schon sagte, es ein Geschftsseminar ist und einige Plattenfirmen
missbilligen Leute, die dort versuchen, Plattenvertrge zu ergattern. Die
mgen das nicht.
Ch.L.: Wie viele Besucher waren in diesem Jahr bei CRS, einschlie゚lich
Presse und Knstler?
JW: Mit Radiohrern, Presse und den Knstlern… waren es insgesamt 2600
Leute.
Ch.L.: Letztes Jahr habt ihr die Richtlinien fr CRS gendert, warum?
JW: Weil der Ausschuss das Gefhl hatte, dass letztes Jahr zu viele
Presseleute da waren, die nur Stories ber die Knstler suchten und nicht
ber das Event selbst geschrieben haben.
Jeder Vertreter der Presse kostet uns 175 bis 180 $ fr Verpflegung fr
einige Tage, und das sind nur die Mahlzeiten.
Wir bieten Frhstck und Mittagessen an und auf dem diesjhrigen Music
City Jam mit Brad Paisley bieten wir noch viel mehr. Es wird kalkuliert,
wie viele Personen teilnehmen und dann legen wir pro Kopf einen Betrag
fest. Wenn man so 7 oder 8 Mahlzeiten rechnet und mit 30 $ multipliziert,
vielleicht nicht ganz 30 $, dann macht das eben etwa 175 bis 180 $. Der
Ausschuss hat gesagt, dass wir sicher stellen mssen, dass, wenn diese
Leute zu CRS kommen, sie auch verstehen, worum es bei diesem Event geht
und wie wichtig es fr die Country Musik ist. Es ist eben keine
Mglichkeit fr diese Journalisten drin, einfach aufzutauchen und
Interviews mit den Knstlern zu machen.
Ch.L.: Also mchtet ihr, dass sich die Journalisten auf das CRS Event
konzentrieren und was da stattfindet?
JW: Nur so als Beispiel: Wir haben ein Forum, das „Life of a Legend
with George Jones hei゚t. Wenn du schreiben knntest, was das ist, und
dass du die Mglichkeit hier vor all diesen Radiomachern hattest, und es
in den Kontext dazu stellst, worber er spricht, so wre das sehr wichtig.
Ch.L.: Da stimme ich dir zu. Lass uns auf das erste CRS Event
zurckkommen. Was hat sich seit dem verndert?
JW: Nun, beim ersten CRS Event waren rund 60 Leute dabei und nun sind
wir etwa 2600. Ich denke die Frage, die gro゚e Frage, ist, wie schnell
die Technik sich ndert. Wie werden Leute durch Musik beeinflusst, wie
wichtig ist Radio? Da ist die Krzung der Playlists. Radios spielen nicht
so viele Platten wie frher. Frher hatten sie eine Top 40 und heute ist
es viel weniger … Wie und wo hren Leute Musik? Es gibt viele neue Themen
und es ist alles so vielschichtig. Frher war alles mehr auf die
Musikprogrammgestaltung fokussiert und heute geht es um den Verkauf und
den Umsatz deines Senders, wie du deine Webseite gestaltest und wie du
etwas schreibst, um neue Hrer zu gewinnen und noch vieles andere mehr.
Ch.L.: Wie bist du zu CRS gekommen?
JW: Ich habe 1979 bei einer Plattenfirma gearbeitet und wurde
angerufen, ob ich dem Ausschuss helfen und ob ich die Stelle des
Finanzdirektors bernehmen wrde. Ich sagte, dass ich es gern probieren
mchte. Einer meiner Freunde machte zu der Zeit Werbung fr eine
Plattenfirma, er hatte sie auf mich aufmerksam gemacht.
Jetzt bin ich nun schon 29 Jahre dabei.
Ch.L.: CRS gibt es schon seit 39 Jahren. Gibt es eine tolle
Geschichte, die du uns erzhlen knntest?
JW: Es gibt viele tolle Geschichten. Dieses Jahr trat Garth Brookes
mit seiner Band auf und spielte eine Reihe seiner Songs. Im Jahr davor
hatten wir Dolly Parton als ワberraschungsgast.
Es sind viele Erinnerungen in den letzten Jahren zusammengekommen.
Sie sind alle ganz wichtig, genauso wie die Zeit, die wir verbracht
haben. Alabama hatten ihren gro゚en Durchbruch bei der „New Faces Show,
das Gleiche trifft fr Tim McGraw zu. Sie waren bei CRS zum ersten Male
und viele Leute waren begeistert und meinten, dass das jemand sei, mit
dem man zusammenarbeiten, den man beobachten und weiter verfolgen
sollte. Und auf diese Art und Weise wurden sie erfolgreich.
Ch.L.: Dieses Jahr gibt es zum ersten Male mehr bereits bekannte als
neue Knstler bei der „New Faces Show, warum?
JW: Ich denke, dass die Leute heute schneller von ganz unten nach
hoch oben gelangen. Da spielen Fernsehen und Internet eine wichtige
Rolle. Frher dauerte es drei Jahre, um etwas zu erreichen. Heutzutage
sind sie nach einem Jahr schon dort. Wenn die Knstler nun zur „New Faces
Show kommen, sind sie meist schon etabliert.
Taylor Swift, die in diesem Jahr an der Show teilnimmt, ist in den
letzten 12 Monaten gewachsen und hat an Bekanntheit gewonnen, was sie
meiner Meinung nach auch verdient hat. Frher htte es mglicherweise drei
oder vier Jahre gedauert, weil sie kein Internet, keine Videos und die
ganzen anderen Dinge gehabt htte.
Ch.L.: Jeff, beeinflusst das Internet die Country Musik positiv oder
negativ?
JW: Ich denke, das Internet ist eines der gro゚artigsten
Marketinginstrumente, das wir je hatten. Und ich denke, es ist sehr
hilfreich. Ich glaube nicht, dass wir einen Weg gefunden haben, es
umfassend zu nutzen, wie wir mchten. Der Plan muss also sein, neue Wege
zu entdecken und auch diese frs Marketing zu nutzen.
Ch.L.: Was mssen Bands, Publizisten oder Journalisten tun, wenn sie
sich fr das nchste Jahr anmelden mchten?
JW: Sie mssen auf die Internetseite von Aristo Media gehen und das
Anmeldeformular herunterladen oder wenn sie sich fr die gro゚e
Zusammenkunft, das Convention, anmelden wollen, mssen sie zu CRS.org
gehen.
Ch.L. Jeff, Danke fr das Interview.
JW: Danke, Christian. Komm bald wieder mal nach Nashville. Und gute
Heimreise.
Christian Lamitschka ( Ch.Lamitschka@t-online.de )
www.MySpace.com/ChristianLamitschka