CD NEWS Dezember 2009


Blue Pontiac
Welcome To The Great Recession
Erhältlich bei: www.cdbaby.com (Sampler)

Mit dem Titelsong beginnt die CD. Die Originalität, die durch eine Prise Cajun und Keltik aufgefrischt wird, hält während des ganzen Tonträgers an. Der lasche, mutige Gesang des Mädchens erhöht den Zugang zur Musik von Blue Pontiac, die kaum mit einer anderen vergleichbar ist. Mal denke ich, die Band weiss um Rockabilly, dann um Hillbilly, dann wieder macht sich die Gruppe beim nächsten Stück für Jazz stark.
Sicher nicht zu klassifizieren, nichtsdestotrotz enorm kreativ. Auffällig ist die musikalische Zusammenstellung (bei „Saturday Night“ klingt sie orientalisch), aber auch der anscheinend bewusste Verzicht auf Harmonien jedwelcher Art.
Entstanden sind auf diese Weise 7 äusserst anspruchsvolle Stücke.


Tayhoss Music
Beaumont Road
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Schon beim ersten Stück, „If I Should Wander Back Tonight“ finde ich Geschmack an der Gruppe. Kein Wunder. Es handelt sich um einer dieser wunderschönen tränenfördernden Herzschmerz-Nummern, von denen ich nie genug kriege. Bluegrass Musik voller Harmonien, Sentimentalität und Einsamkeit. Das eher progressive Gitarrensoli müsste ich eigentlich nicht haben. Aber was soll’s. „Blue Virginia Blues“ liegt mir noch mehr. Hier kommt die traditionelle Bluegrass Musik voll durch. Eine der wenigen Bluegrass-Gruppen, die sich um Themen kümmert, welche uns alle bewegen: Das Alter, Liebeskummer, Einsamkeit und das fehlende Familienleben. Zwischen Progression und Tradition hält sich Gruppe zwar an klassische Stücke („I Know What It Means To Be Lonesome“), versetzt diesen jedoch einen modernen Touch.


Say Uncle!
Lickin‘ Good Fried
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Tja. So ähnlich wie hier Say Uncle! Wollten Alan Jackson und Sammy Kershaw einst klingen. Da die beiden aber wohl dem Nashville Sound nicht entkommen konnten, bleibt nur Say Uncle! Und die geben gleich sehr, sehr viel vor. Will man der Gruppe mit den ausgezeichneten Harmonien, ihrem Frage-Anwort-Spiel folgen, muss man schon einiges drauf haben. Zumindest, was die klassische Country Musik anbelangt, denn die haben sich Say Uncle! einverleibt. Ein persönliches Highlight macht für mich der Louvin-Brothers-Klassiker „Your Running Wild“. Kann sein, dass hier die weibliche Stimme ein wenig zu dominant ist, aber – wer kann’s besser? Nur die Louvins selber. Einen sentimentalen Abschluss schafft „How Can I Face Tomorrow“. Auch hier ist die weibliche Stimme etwas zu stark, doch wieso, frage ich Euch, sollte sich eine so gute Sängerin zurückhalten? Mit Say Uncle! macht eine Band auf sich aufmerksam, die man unbedingt im Auge behalten muss. Zu gut ist ihr klassischer, mit Fiddle, Mandoline und akustischer Gitarre aufgemotzter, traditioneller Country/Bluegrass Sound. Anspieltipp: „Don't Paint Me With the Same Brush“.


Hillbilly Deluxe
File Under Country
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Bei diesen Jungs scheiden sich meine Geister. Einerseits wird sofort klar, dass sie für die klassische Country Musik einstehen, alleine ihr Name spricht ja dafür, andererseits – wieso ein Schlagzeug? Beim Song „Marie Laveaux“ muss ich zwar die Intelligenz der Gruppe bewundern (bei Marie Laveaux handelt es ich um die Voodoo-Königin aus New Orleans, eine Kreolin), doch den Gesang des Mädchens, der vor Einbildung nur so trieft (oh, ja, das gibt’s) mag ich überhaupt nicht. „Big Brown Eyes“ weist die Band als Johnny Cash-Fans aus, „Losing Streak“ als Anhänger des Southern Rock – doch das reicht, ehrlich gesagt, nicht.


Bob Cheevers
Tale Texas Tales
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Bob Cheevers‘ Song „Luckenbach“ besitzt Chart-Potential. Americana-Chart-Potential, wohlgemerkt. Die Nummer bringt die einzigartige Stimmung der Kleinstadt so richtig zur Geltung – und das im Stile Joe Ely’s, mit Akkordeon, viel Tex Mex Einschlag und dem üblichen, mehrstimmigen Refrain. Party-Stimmung par excellence. Doch auch den Blues hat der Mann inne. Und zwar den unverkennbaren, dunklen und dreckigen Texas-Blues mit Slide-Gitarre und rauem Gesang. Bei „Budget Motel“, dem übernächsten Song, zeigt der Mann stimmlich zwar Schwächen, doch irgendwie passen sie zum gewählten Stück. „Give This Heart“ ist mir zu süss. Der Nelson-mässige Gesang passt nicht zum sentimentalen Klang. Und ehrlich gesagt, der Sänger selbst sieht auch nicht so aus, als würde er ein Stück wie dieses echt vertreten (aber man kann sich ja irren). „Mushroom Cloud Lil“, die nächste Nummer, gefällt mir wieder sehr gut. Das eigenwillige Banjo ergänzt den rebellischen Sound noch, der von der Stimme ausgeht. „One Good Rib“ erinnert dank des Beats an Bo Diddley. Was der Schlagzeuger hier zwischendurch mit den Sticks bastelt, gefällt mir. Mit einem weiteren Liebeslied, „Fallin‘“, schliesst der Mann seine CD. Und hinterlässt einen etwas schalen Geschmack im Mund. Ehrlich gesagt: Joe Ely ist mir viel, viel lieber.


David Waddell & Hellbound Train
Lone Star Over Texas
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Auch hier eine wieder typische, für die heutige Zeit stehende texanische Country-Band. Mit Schlagzeug, Steel-Gitarre und elektrischer Gitarre. Immer noch besser als alles aus Nashville, aber halt nicht so gut wie Gary Stewart.


Annie Lou
Annie Lou
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Hier eine Old-Time CD, die vor keltischem Einschlag nur so strotzt. Das Mädchen, das hier als Sängerin brilliert, hat zwar nicht die starke Stimme, die mir normalerweise gefällt, doch irgendwas fasziniert an ihrem einfachen, einwandfreien Geträllere. Man kann sich gut vorstellen, wie sie aufwuchs (wie auf dem Cover eben) und sich nach ihrer Umgebung ausrichtete. Eine sympathische, oft zum tanzen anregende CD. Denn Annie Lou ist nicht nur Sängerin, sondern auch eine ausgezeichnete Fiddlerin.


Michael J. Thoma
I Have No Gifts
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Dieser Mann erinnert uns mit einem einzige Stück zu Weihnachten daran, was zählt. Der Stil, den er dafür bevorzugt, erinnert stark an John Denver. Auch – wen wundert’s – auch die Stimme von Michael J. Thoma. Der rechte Song. Zur rechten Zeit.


Michael & Carrie Kline
Damp As The Dew: A Tribute to Appalachian Miners
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Ein Tribut an die Minen-Arbeiter der Appalachen. Ein Tribut, das gleichzeitig an jene Frauen und Männer erinnert, die nicht etwa gegen Lohn sangen, sondern in ihrer Freizeit. Um die Zeit todzuschlagen, trauern zu können, sich moralisch aufzubauen, etc. Aus welchen Motiven auch immer. Der Tonträger, den Michael & Carrie hier geschaffen haben, wiederspiegelt wie kein anderer die Einfachheit, die Simplizität – gleichzeitig aber auch die Unvollkommenheit. So sind denn durchaus Schwächen auszumachen. Doch die Sänger wollen ja nicht perfekt sein. Sie wollen das wiedergeben, was damals in den Leben der Minenarbeiter abging. Und das tun sie. Gradlinig, zart und getragen.


Pistol Pete’s Dinosaur Truckers
Down This Road
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Auffallend an den Dinosaur Truckers ist die Instrumentierung. Der Bass kommt extrem stark daher, trotzdem handelt es sich um keine Rockabilly-Band. Worum denn? Nun ja – der Gesang hat wohl was damit zu tun. Aber das Banjo eher weniger. Der Banjospieler ebenso wie der –Gitarrist – beide wissen um Bluegrass. Der Sänger hält sich eher an Steve Earle. Die Mandoline kommt progressiv einher. Schwer, die Gruppe zu klassifizieren. Gut und abwechslungsreich ist ihre Musik aber allemal. Einzig der Bass ist immer gleich stark…ansonsten wechselt die Mannschaft ständig das Spielfeld. Mal bewegen sie sich im Bluegrass, mal im Swing, ein anderes Mal im Country-Musik Bereich. Mit Erfolg, finde ich.


The Woodbox Gang
White Trash Voodoo
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Am 26. September 2009 kam White Trash Voodoo auf den Markt. Die Arbeit wurde von Alex Kirt in einem kleinen, zerrütteten, gemieteten Haus im ländlichen Südillinois produziert, abgemischt und gemastert. Und irgendwie kommt die spezielle Atmosphäre beim Zuhörer an.
Genial finde ich diese Truppe. So gut wie ihr CD Cover, sozusagen. Die Woodbox Gang bringt geschickt diverse Stile zusammen. Schlussendlich handelt es sich wahrscheinlich um Bluegrass, wiederum aber so originell vorgetragen, dass man die Musik der Woodbox Gang keinesfalls mit progressiv abtun darf oder sollte. Die Instrumente sind vielseitig. Das Banjo wechselt sich mit dem Bass, einer akustischen Gitarre und der Steel Gitarre ab. Und ich glaube, noch viele weitere Instrumente zu entdecken, vorwiegend der Perkussion vorbehaltene. Der lasche, ziemlich schräge Gesang ergänzt das liebevolle, leidenschaftliche und vor Qualität nur so strotzende, abwechslungsreiche Repertoire.

Ein Meisterstück.


Lonesome Country
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Mir persönlich gefällt progressive Bluegrass Musik nicht. Deshalb bleibt dem Leser hier jedwelcher Kommentar erspart. Für Liebhaber dieser Stilrichtung eignet sich die hier vorgestellte CD aber sehr wohl.

Extrem schnelle, temporeiche Bluegrass-Musik.


Two Bits A Gander
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Ihr Sound wird als eine herzhafte Mischung aus Ragtime, Old Time-, Bluegrass- und Bluesmusik beschrieben. Two Bits A Gander scheinen jung und voller Energie zu sein. Mit der Zeit wirkt ihre Musik auf mich etwas langweilig, nichtsdestotrotz muss man den Jungs manchmal einfach zuhören. Man kann sie nicht ignorieren. Sie sind zu gut.


Drowsy Holler
Uva Uvum Vivendo Varia Fit
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Temperamentvoll reitet diese Truppe auf der Honky Tonk/traditionellen Country-Welle. Der Gesang ist zwar nicht superklasse, aber mehrstimmig kann man nichts meckern. Mit Humor ist die Gruppe ebenfalls gesegnet. Und genau das sollten auch die Zuhörer mitbringen – neben einer Vorliebe für alles, was mit Tradition zu tun hat. Aber auch mit Ecken und Kanten.


Blvd Park
Bell Tower Mansion
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Ein grosses Ensemble steht für einen grossen Sound. Oder nicht? Eine Stimme, die keine ist, ein Chor, der zu schräg ist, um perfekt zu sein und im Mittelpunkt das Snare-Drum. Schwierig, den Stil zu beschreiben. Aber egal, worum es sich handelt, die Band lässt Bilder im Kopf auftauchen, nur unterbrochen von der Konzentration auf die ungewöhnlich raue Stimme des Sängers, die die Bilder zwar nicht gerade zerstört, aber immerhin in Frage stellt. Der Sound würde sich ausgezeichnet für einen Film eignen.
Bei „Swerve On“ zeigt sich die ganze Stärke von Blvd Park. Ein Gospel für Trinker. Die Intensität erschreckt hier einmal mehr.


Joe West
The Chicken House Recordings
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Diese Aufnahmen wurden zuvor noch nicht veröffentlicht. Dabei ist Joe West, seines Zeichens toller Geschichtenerzähler aus Santa Fé, schon auf Europa-Tournee gewesen. Was er hier anbietet, sind Schilderungen von eigenem Reiz, durch akustische Instrumente wie einer Gitarre wunderschön in Szene gesetzt. Folk der Superlative.


Gotta Red Dawg
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30 verschiedene Stücke von Künstlern aus der ganzen Welt, die ihrer Liebe zu Hunden frönen. Manche sind verrückt, manche akustisch, manche elektrisch, manche schlichtweg atemberaubend. Zu finden gibt’s hier Duette, Southern Rock, Cow Punk, Folk, Jazz, Rock’n’Roll – eine breite Musikpalette mit Stücken die, so unterschiedlich sie sind, nahtlos ineinander übergehen.


Kevin Fore & Friends
Frolic In Round Peak
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Fröhliche Old Time Musik, die den Charme der Appalachen deutlich wiederspiegelt.
Mit von der Partie sind bekannte Nummern, etwa „Cumberland Gap“.


Chicken Tractor Deluxe
The Can Holler
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Jazz mit Trompete trifft auf traditionelle Country-Musik und Bluegrass. Abwechslungsreicher geht’s nicht mehr. Ein Highlight macht „There Stands The Glass“. Besser geht’s einfach nicht mehr. Oder doch? „Rank Stranger“ gibt’s ja auch noch…und…und ….und… Spitze.





RJ
Mixed Up
Erhältlich per Email an: tombstoneholland@hotmail.com  
Web-Seite: www.myspace.com/nevariver

Eine Band aus Russland, die ausgezeichneten, klassischen Rockabilly anbietet. Die Stücke stammen u.a. von Hayden Thompson, Dennis Herrold, Peggy Lee, Larry Donn inklusive „Jackson“ von Johnny Cash & June Carter. Mit einem hervorragenden Gitarristen und einem eben solchen Sänger kann nichts schief gehen. Tut es auch nicht. Die Band kann Kennern wie Anfängern nur empfohlen werden.




Roy Kay Trio
The Rhythm & Harmony Of The
Erhältlich bei: www.roykaytrio.com/discs.htm

Das Roy Kay Trio ist bei Rockabilly-Anhängern äusserst beliebt, handelt es sich doch ebenfalls um ein klassisches Ensemble. Ihre Spezialität, Rockabilly, Hillbilly Bop und traditionelle Country Musik leben sie auch auf ihrer fünften CD voll aus.


Mr. Whiz
I Wanna Go
Erhältlich bei: www.eltororecords.com
Sampler: www.myspace.com/misterwhiz

Diese Gruppe aus Spanien steht für Hillbilly Swing. Von der Stimme her erinnert mich Mr. Whiz an Big Sandy. Hillbilly Swing steht nicht für laute Klänge, sondern viel eher für Gitarrenpicking, ausgezeichneten Bass und zurückhaltendes Schlagzeug. Selbst Songs wie „Hot Rock On My Radio“ bestechen nie durch Lautstärke, sondern viel eher für sensible Instrumentierung. Und die steht wiederum für ausgezeichnete Musiker.