CD NEWS Ende August 2009

David Davis &
Erhältlich bei: http://www.countysales.com
Web-Seite:
http://www.myspace.com/daviddavisandwrb
(Sampler) oder: http://daviddavisandwrb.com/
David Davis und seine Warrior River Boys brachten ihr neues Produkt, „Two
Dimes A Nickel“, schnell an die Spitze der Charts. Der Mann aus Alabama
führt seine Truppe seit 25 Jahren an. Und: David Davis ist bekannt für sein
artistisches Flair. Kein Wunder, die Erfahrungen machen halt doch die Meister.
Die engen Harmonien und die ausgezeichnete musikalische Begleitung sind sicherkein
Zufall. Beim Titeltrack handelt es sich um ein äusserst rasantes Stück. Die
Harmonien sind auch hier atemberaubend. Am Leadgesang gibt’s jedoch schon
einiges auszusetzen. Die tiefen Noten scheinen dem Sänger weniger zu liegen.
Auch wirkt er etwas kurzatmig, der Junge. An den Bluegrassern bewundere ich
stets die Langatmigkeit. Gute Sänger lassen meines Erachtens die Noten nicht
fallen. Sie halten aus. (Perfekte Beispiele: Patsy Cline und Rose Maddox….da
bleibt jedem, der die beiden imitieren möchte, die Spucke weg). Gelungener
finde ich „The Lonesome Cry Of The Whippoorwill“. Hier kommt die ganze
Intensität, Einsamkeit und die Schönheit getragener Bluegrass-Songs so richtig
zur Geltung.

SongDogs
Restless No More
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oder
www.cdbaby.com
Web-Seite:
www.songdogs.de
Die CD der Songdogs ging mir per Post zu. Das Label ist einfach gehalten. So
konnte ich die Band auf Anhieb nirgends einordnen. Die Instrumentierung deutet
auf Country-Musik: Fiddle, Kontrabass, Bass, Gitarre, Mundharmonika, Schlagzeug,
Perkussion und Banjo. Der Tonträger beginnt nicht etwa wie bei den Meisten temperamentvoll,
sondern entspannt. Das erste Stück erinnert mich etwas an Tom Russell, Texaner im
Allgemeinen. Der raue, eckige Gesang passt zur getragenen Stimmung, für den die
Instrumente verantwortlich sind. Etwas Keltik spüre ich ebenfalls, wohl durch
die Fiddle hervorgerufen. Die nachfolgende Nummer ist mit Cajun gewürzt, würde
aber auch in ein texanisches Honky Tonk passen. Den Gesang mag ich hier nicht
besonders. Der Leadsänger spricht eher, als er singt. Auch das nächste Stück
ist im selben Muster gestrickt. Allerdings fallen bei „Desire“ Harmonien
ein. Der Mann an der Fiddle, Dirk Ronneburg, tut sich hier besonders hervor.
„Black Shines“ ist eine traurige Ballade, mich erinnert sie an Joe Ely.
Jens Hetze am Schlagzeug ist zu Beginn von „Heavy Load“ zuerst zu hören,
der Bass fällt ein. Die Gitarre klingt nach Chris Isaak. „Cigarettes &
Coffee“ ist jazzig, voller Swing. „Restless No More“ eignet sich für
die Party. Ich mag das zurückhaltende Schlagzeug, das nach Snare Drum klingt. „One
More Rainbow For The Road“ ist ein gelungener Song, für lange Autofahrten
gemacht. Die Nummer ist sehr melodisch. „Mouthful Of Swallows“ ist
langsam, zum Zuhören gemacht, ein Mundharmonika-Titel. Wiederum ein Stück über
die Landstrasse, das Reisen, das Weitergehen. „Such A Fine Day“ beginnt
mit zarter Gitarre und wird durch den rauen Gesang mit Ecken und Kanten
versehen. Die Nummer könnte einmal mehr von Tom Waits sein. Mit „Lonesome
Death Blues“ klingt die CD aus.
Fazit: Die Konzerte dieser Band müssen interessant sein. Denn: Die Songdogs
zeigen sich farbenfroh, abwechslungsreich und ausgewogen. Eine echt gute
Americana-Band aus deutschen Landen.

Aaron Quinn
This Ain’t Missouri
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Was immer der Sänger mit der Namensgebung seiner CD ausdrücken wollte: Es geht
um Tradition. Aber: Seine Stimme kann mit der Instrumentierung manchmal nicht
mithalten, öfters hält er sich nicht an die Melodie. Auf gut Deutsch: Es gibt
bessere Sänger. Doch der Versuch ist nett, an die einstigen Country-Stars der
Goldenen Ära anknüpfen zu wollen. Ich werde bei solchen Tonträgern immer etwas
wehmütig, denn die Hälfte, sprich: Die Begleitmusik, die Harmonien, die
Songauswahl sind meist in Ordnung. Die andere Hälfte, der Gesang, hält das
Versprochene mehrheitlich nicht. Und ich denke, Erfahrung kann da nicht
weiterhelfen. Ein Highlight für die musikalische Begleitung macht der letzte
Song dank dem Barrelhouse-Piano ein Hit. Anspieltipp also: „Currently
Yours“. Ein Ohrwurm. Und sehr ehrlich.

Bud Hensley
Hillbilly
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Die CD-Hülle ist nicht vielversprechend. Ehrlich nicht. Jäger und Fischer –
sind mir ein Greuel. Dennoch. Das Wort Hillbilly besitzt für mich einen
besonderen Reiz. Da MUSSTE ich einfach ‚reinhören. Und gut so. Wäre ich nicht
gesessen, das erste Stück, „Brother Go Home“, hätte mich vom Sockel
gerissen. Eine glasklare Stimme, eine sparsame, akustische Begleitung und eine
ausgezeichnete zweite Stimme winken. Und wie!!! Die ganze Wehmut der
traditionellen Bluegrass-Musik, jener so oft gepriesene (und nur von wenigen
erreichte) „High Lonesome Sound“ kommt hier vollendet zum Durchbruch. Alle Nachfolge-Nummern
zeichnen sich zudem durch einen keltischen Einschlag aus. Der Sänger klingt,
als ob er sich in einer Garage befände, so sehr hallt der Sound. „Hey Jeff“
ist eine Art Kanon. Schon lange nicht mehr so was gehört. Braucht viel Mut, ein
solches Stück. „Lord’s Prayer“ passt in jede Kirche und macht die
Gemeinde, davon bin ich überzeugt, stumm vor Andacht. „Momma Don’t Cry“
handelt vom Kind, das vor der Mutter stirbt und sie zum Abschied tröstet. In
der Mitte des Tonträgers wundere ich mich, wie ein solcher Mann wie Bud Henley
wohl auf die Menge wirken mag. Ich bin überzeugt, er ist imstande, eine
ähnliche Atmosphäre herbeizuzaubern, wie John Prine. Eine solche, wo man eine
Nadel fallen hören würde. Für mich zeigt vorliegende CD ganz deutlich auf, wie
nahe sich traditionelle Bluegrass-Musik, Blues, Hillbilly und Rockabilly
eigentlich sind (vom Letzteren finde ich hier allerdings keine Spur). Dass es
ausser James King noch andere Interpreten gibt, die ihre ganze Seele in ein
Stück legen können, beweist Bud Hensley spätestens mit „Amazing Grace“, dem
letzten Titel.

SwampDaWamp
Rock This Country
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Es gab mal ‚ne Zeit, da wollte jeder Country-Superstar so klingen, wie
SwampDaWamp. Einige schafften es sogar. Auf ihren CD’s. Live eher nicht. Tja.
Südstaaten-Rock sollte eben jenen Leuten vorbehalten bleiben, die was davon
verstehen. Wie die hier. Lautstark und ungeschliffen, von der Leber weg und
temperamentvoll zeigt sich die Band in ihren Songs. Bei „Good God“
zeigen sie sich mehrstimmig. Unglaublich, dass der Leadsänger, der bei „American
Man“ so ziemlich alles vom Tisch fegt, was da ‚rumstehen mag, mehrstimmigen
Gesang überhaupt akzeptiert. (Solche Typen stehen normalerweise nur allzu gerne
alleine im Lampenlicht). Südstaatenrock muss aber einfach laut, roh und
elektrisch sein….also, nichts wie reingehauen, Jungs….und wenn mich wieder ‚mal
Aggressionen plagen, wäre eine solche CD wie die hier von SwampDaWamp ohnehin
genau das Richtige.

Zoe Muth and the Lost High Rollers
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Ich denke, Sängerinnen wie Angel Dean waren die Vorreiterinnen für Mädchen wie
Zoe Muth. Ihr lascher, starker, etwas eintönig wirkender Gesang wirkt
bezaubernd zur akustischen, traditionellen Country Musik mit Folk-Einschlag.
Ein bisschen erinnert mich der Stil auch an die englische Fairport Convention.
Bei „Hey Little Darlin“ wirkt das Ganze noch berauschender, fügt die
Gruppe doch smarterweise eine Prise Bluegrass hinzu. „I Used to Call Me
Heart A Home“ entspricht allem, wonach sich Patsy-Cline und Rose Maddox
Fans sehnen. Die Lyriken sind wunderschön, dieses Spiel mit den einfachen
Worten, das einfach alles ausdrückt, worum’s geht….mag ich sehr. „Not You“
bewegt sich in Richtung Rockabilly/Hillbilly. „Hard Luck Love“ finde ich
das cleverste Stück, denn hier wagt sich das Mädchen über ihre normale Tonhöhe
hinaus, sodass sie genau so zerbrechlich klingt, wie die Nummer wohl wirken
soll.
Eine grossartige CD – für jeden, den es nach gutem Gesang und traditioneller
Country Musik gelüstet.

Joey Allcorn
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Auch Joey Allcorn hält sich an Tradition. So beginnt er sein Werk mit Western
Swing a la Bob Wills. Mit seiner Stimme habe ich von Anfang an Mühe. Auch beim
ausgezeichneten Hillbilly, der nun folgt namens „Lonesome, Lovesick Man“.
Eigentlich ganz mein Stil. Doch diese Stimme eben nicht. Und irgendwas stört
mich an der Begleitung. D.h. an der Aufnahme an und für sich. Doch ich verstehe
zu wenig von Technik, als dass ich’s erklären könnte. Bei „Huntsville“ gefällt
mir der Takt. Wie BR5-49 einst. Bei „Just Another Song“ merke ich,
woran’s liegt. Wieder kommt Melancholie auf. Es ist schade, wenn sich Leute an
dem traditionellen Country-Gesang der 50er Jahre versuchen und’s einfach nicht
können. Anzurechnen ist ihnen aber, dass sie dadurch die einstigen Stars, wie
hier Don Helms oder Lloyd Green, wieder aufleben lassen. Und das muss man ihnen
hoch anrechnen. Auch Joey Allcorn. Und die Songs sind sehr abwechslungsreich – vom
Musikstil her winkt die ganze Farb-Palette der 40er, 50er Jahre.

Old West Trio
Ridin‘ Back To Yesterday
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Wieder ein traditionelles Trio. Und ein Ausgezeichnetes dazu. Geschmackvolles
Yodeln, enge Harmonien und klassische Cowboy-Melodien scheinen den drei Jungs
angeboren zu sein. Doch sie brillieren auch mit nachdenklich stimmenden
Balladen wie „Dancehall Annie“. Selbst wenn gerade hier beim Sänger
Schwächen auszumachen sind (etwas kurzatmig wirkt er). Aber die Knaben machen’s
geschickt: Sie wechseln sich am Gesang ab, so dass mit dem jedem neuen Sänger
auch ein neuer Stil aufzukommen scheint …..Am besten gefallen mir Songs wie „Little
Pony Boy“ oder das an die Sons of The Pioneers erinnernde „Blue Prarie“.

Laura Love & Orville Johnson
The Sweeter The Juice
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Seit Jahren steht meine Lieblings-CD im Regal. Und immer, wenn mir die Stimmung
danach ist, lege ich sie in den Rekorder. Nein, es handelt sich nicht um Big
Mon‘. Nicht einmal um Patsy Cline. Aber um Laura Love & Jo Miller. Die
damals schon zusammen mit Orville Johnson eine CD veröffentlichten (bei Amazon
noch immer erhältlich). Umso erstaunter war ich, eine neue CD der World-Music
Lady im für sie ungewohnten Bluegrass-Stil vorzufinden. Zwar fehlen mir diesmal
die tadellosen Harmonien von Joe Miller. Trotzdem ist ihr wieder ein
unglaublicher Tonträger gelungen – nicht zuletzt dank der Unterstützung von
Orville Johnson. Dennoch: Die Lady hat sich etwas von der von meiner
Bluegrass-CD entfernt. Und lässt deutlich mehr Worldmusic einfliessen in ihr
neuestes Werk. Bei „Load Up/Eyes On The Prize“ zeigt sie z.B., dass sie
auch im Blues zu Hause ist. Und bei „Nobody’s Fault But Mine“ holt sie
sich sogar Orville in ihr Boot. Bei „Swing Low“ habe ich mich beinahe am
Frühstück verschluckt, so schön ist das Lied. Und so mitreissend Laura’s
Stimme. Es gibt ja x-Versionen des Songs, aber eine solche? Also: Sollte Steve
Martin – wohlverdientermassen – die IBMA-Awards abgrasen, schlage ich Laura
Love nächstes Mal vor. Die hat’s schon lange verdient. Schlichtweg grandios,
die Lady.

Mike Jackson
When We Goin‘ Back
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Junge Bluegrass Bands, das fällt mir immer wieder auf, tendieren eher zu
rassigen Stücken. Sie stehen für T & T (Tempo & Temperament). Ich
hingegen tendiere zu den melancholischen, traurigen Liedern, die, wie
vorerwähnt, den High Lonesome Sound der Bluegrass Musik am Besten verkörpern.
Vielleicht geht den jüngeren Interpreten ja auch die Ernsthaftigkeit ab. Sie
wissen noch nicht viel über das Leben, müssen ihre Erfahrungen erst noch machen.
Aber all das bedeutet nicht, dass sie kein Talent besitzen. Dieser junge Mann hier,
Mike Jackson, hat welches. Unbedingt. Die Eröffnungsnummer „When We Goin‘
Back“ oder „Dang This Heart Of Mine“ stehen sicher für den
Mandolinen-Spieler und sein Können. Und für die typische
Bluegrass-Instrumentierung. Aber auch für progressive Bluegrass-Musik.
Währenddessen ist „Nobody Told The Moon“ eines jener typischen,
neumodischen Bluegrass-Stücke geworden, die mich stets unsicher machen. Weder
weiss ich, wo sie einzuordnen sind noch, ob ich sie wirklich mag, diese
Nummern, die eine Mischung aus Tradition, Moderne und heutiger Country-Musik
darstellen. Zumindest für mich. Sie lassen sich denn auch auf allen Märkten
absetzen (oder eben nicht, wie man’s nimmt).
Wer weder für, noch gegen moderne Bluegrass-Musik ist und auch den anderen
Richtungen, etwa einer Kenny-Rogers-Bluegrass-Kopie namens „Up There“
gegenüber nicht abgeneigt ist, wird an Mike Jackson’s Tonträger seine Freude
haben. Gesangsmässig befindet sich der Mann übrigens im Mittelfeld. Die tiefen
Töne liegen ihm allerdings weniger.

Southern Rail
On The Road From Appamattox
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Die erste im Accapella-Stil vorgetragene Nummer dieser CD garantiert Hühnerhaut.
Unglaublich, diese engen Harmonien, die verschiedenen Tonlagen, die nahtlos
ineinander fliessen, die Lead-Stimme, die über allem steht. Wow. Dann aber
kommt die Ernüchterung mit „Prisoner Of The Highway“. Diese
überschnellen Nummern mag ich nicht. „Hobo On The Freight Train“ macht
alles wieder gut. Sehr gut, sogar. Hier beweisen sich nicht nur der Banjo- und
der Mandolinen-Spieler, auch der Gesang begeistert einmal mehr. „Polka On A Banjo“
ist eine originelle Nummer. Gegen solche Tempo-Boliden habe ich nichts
einzuwenden. Die Jungs wechseln übrigens clever zwischen getragenen und
schnellen Nummern ab. Die Titelmelodie besitzt wieder diesen unwiderstehlichen
keltischen Einschlag, dieses unheimliche. Wenn die Lead-Stimme besser wäre,
könnte „Holding Things Together“ mein Favorit sein. So bleibt’s bei „Polka
On A Banjo“.

Toad Hole Flats
Slightly Out Of Focus
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Tja. Ihre CD eröffnen die Toad Hole Flats mit einer Honky Tonk Version von Guy
Clark’s „Rita Balou“. Dann, beim nächsten Stück, ändern sie ihren Stil
schlagartig. Südstaaten-Rock kommt ins Rennen. Und wieder drehen sie sich um
180°. Honky Tonk fährt ein, abgelöst von einem Piano-Country-Stück. Es folgt
ein Waltz. „Trashy Women“ kenne ich von Confederate Railroad. Das Stück
hat mich immer amüsiert. Aus gutem Grund. Nun ja. Ich mag alle Interpreten, die
sich an „Pancho and Lefty“, mein Lieblings-Van Zandt-Stück, wagen. So
auch diese Jungs. Obschon…na ja…Mit dem letzten Stück, „Up Against The Wall
Redneck Mothers“ weisen sich die Jungs erneut als Nachfolger von D. Shirley
und seinen Kumpanen aus. Allerdings besass jener die bessere Stimme.

Casey Joe Abair & Hunter Robertson
If You Want to Go to Sleep, Go to Bed
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Dem primitiven, unnachahmlichen Stil der Appalachen haben sich diese zwei
Interpreten hier angenommen. Und genauso primitiv wirkt der Gesang auf ihrem
Tonträger. Gerade deshalb verdienen die zwei aber uneingeschränkte
Aufmerksamkeit. Denn Simplizität kann nie gleichgesetzt werden mit
Anspruchlosigkeit. Was die beiden hier bieten, ist vom Feinsten, auch wenn
viele Zuhörer damit wahrscheinlich nichts anfangen können. Nur wenige
begreifen, wie unglaublich sensibel das Gefiddle von Casey Joe Abair neben dem
Clawhammer-Banjo von Hunter Robertson ist. Und wie gut sich die beiden Musiker
ergänzen.
Mit von der Partie sind so bekannte Stücke wie „Bonaparte’s Retreat“
oder „Old Joe Clark“. Und jetzt weiss ich auch, wie mein einfacher, aber
raffinierter Blues-Song „Sugar Baby“ im Appalachen-Stil klingt. Ebenso
genial, nämlich.

Dave Cox
Unbridled Enthusiasm
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Dieser Junge hier hat sich auf den 60er Jahre-Stil der Country-Musik versteift.
Und seine Arbeit beginnt mit einem Steel-Gitarren-Instrumentalstück im Western
Swing Stil. Das tatsächlich klingt wie ein Intro zu einer Country-Sendung von
anno dazumal. Dem folgt ein wunderschöner Honky Tonk – Herzschmerz ist
angesagt. Abgelöst wird das Stück von einem feurigen Western-Swing, in dem sich
die Fiddle und die Steel-Gitarre ein Duell liefern. Es folgt ein Waltz,
vorgetragen in Dave-Cox- unverkennbarem Gesangstil. Komisch, seine Stimme
klingt irgendwie nach kleinem Jungen. „The Nasvhille Antonym“ nimmt mich
für Dave Cox ein. Ganz meine Meinung, Dave. Mir fällt auf, dass viele Stücke
von Dave Cox vom Leben als Musiker handeln. Das haben wir schon lange verdient,
oder? Jemanden, der sich erklärt. Und hoffentlich ehrlich.
Alles in allem eine absolut traditionelle, liebevoll gestaltete CD, die vor
Talent (dem des Sängers und dem der Musiker) nur so trieft.

Andy Garrett
„Live At The Back Porch“
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Andy Garrett ist ein unheimlich schneller Bluegrass-Gitarren-Picker. Leider
sorgen aber die Live-Aufnahmen hier eher dafür, dass sein Spiel an Brillanz
verliert. Die Klampfe sollte etwas lauter eingestellt sein – zumal es sich um
blosse Instrumental-Aufnahmen handelt. Geduld ist angesagt, Leute……aber
auszuharren, lohnt sich.
CD
NEWS August 2009
17.8.2009



James Intveld
Have Faith
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Mit James Intveld habe ich so meine Mühe. Lange Jahre schon. Und er mit sich
offensichtlich auch. Das beweist diese CD. Nichts desto trotz beginnt sie
wunderschön, mit dem üblichen Herzschmerz-Sound des Künstlers. ‚Aber man muss
sich ja entwickeln‘ scheint er sich gesagt zu haben. Deshalb folgt gleich der
erste Hammer mit dem unausstehlichen, auf Nashville getrimmten „This Place
Ain’t What It Used To Be“. Ich könnte ja sagen: „This Guy Ain’t …“ na ja.
„Let’s Get Started“ hab‘ ich schon auf einer früheren Intveld Scheibe unter
anderem Namen gehört. Nettes Liedchen, doch muss man sich gleich in eine Modern
Talkin‘-haften Hillbilly-Crooner verwandeln, um anzukommen? Und es kommt noch
schlimmer „A Woman’s Touch“ könnte dem Namen nach ein gutes Stück sein.
Die Nummer klingt aber, als wär‘ sie für irgendeinen Nashville-Superstar
geschrieben worden, der damit seinen Tonträger füllen möchte. „Have Faith“
folgt dem Vorgänger unbesehen in dieselbe Sackgasse. Grässlich, dieser
kommerzielle, schnell vergessene Sound. Von diesen Liebesnummern, Junge, gibt’s
Tausende. Und darunter sind bessere. „Motel Time“ ist ein guter,
rassiger Honky Tonk. Hier scheint James sein Selbstvertrauen wieder gefunden zu
haben – zu Recht. Aber er fällt wieder. Ins alte Muster zurück. „If Tears
Could Talk“ wird erneut einer dieser Tränenreichen Nummern, die man schnell
durch einen Schredder jagen sollte. Für mich mutiert James hier zum amerikanischen
Roy Black. Irgendwer hat ihm wohl geflüstert, traurige Nummern wären sein Ding.
Auch „Small Town Boy“ kommt nicht an. Das Höchste ist wohl „Walk With
Me“…ein Möchtegern-Gospel mit Orgel angefüllt. Kommt mir vor, als würde
Jameschen Gott verhöhnen.
Okay. Das Resümee: Ich werde mir eine rundum Schönheits-OP antun, die Haare
wachsen lassen, 15 kg (eher 20 kg) abnehmen und dann diesem Jungen beibringen,
was es heisst, die Finger von der Flasche zu lassen, zu lieben und endlich –
ENDLICH – wieder mal der zu sein, der er mal war.

Bluegrass Bands and Helping Hands
Heaven Knows Where We’ll Go From Here
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Ich denke, in Anbetracht der vielen Künstler, die uns in jüngster Zeit
verliessen, ist der gewählte Name des hier vorgestellten Tonträgers
brandaktuell. Für die Arbeit schlossen sich bekannte Bluegrass Gruppen
Amerika’s und Kanada’s zusammen, um mit den Einnahmen Familien im Norden
Georgia’s, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, zu unterstützen. Mit dem
bestens bekannten „Amazing Grace“ startet der Tonträger. Die
Nachfolgenummer ist ein äusserst progressives Stück namens „Beethoven's Old
Hen“, eine Instrumental-Nummer. Mit Ausnahme von „Grey Eagle“, einer
gelungenen Nummer, bewegt sich die ganze CD eher im progressiven Feld.
Leider fehlen die Angaben zu den Bands.

Jason Ross
Life Without Sophia
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Über den heiseren, beinahe geflüsterten Gesang kann man sich streiten. Über die
Musik der ‚ersten je veröffentlichten Präriegrass Scheibe nicht. Der Tonträger
wirkt von Stück zu Stück entspannt. Das Werk gewinnt vor allem durch die
Songtexte, viele haben etwas mit Abschied, mit Wehmut zu tun. Eine Hand vor den
Mund nimmt der Interpret, also Jason Ross, nicht gerade. Das Stück „Folk
Fest Camping“ sollte Minderjährigen nicht zugänglich sein. Noch nicht klar
ist mir, ob er sich da über ein bestimmtes Wort lächerlich macht oder dieses so
sehr liebt, dass es in den Sätzen x-mal vorkommt….Jason Ross‘ Musik besteht
vorwiegend aus akustischen Balladen, die allesamt an den anderen Rebellen,
Steve Earle, erinnern. Zumindest, was die Ausdrucksweise angeht, scheinen sich
die beiden nichts zu schenken. Die Musik bleibt einzigartiger Präriegrass. Vor
allem das letzte Stück, „Goin‘ To The Light“ glänzt durch erstaunliche
Solo-Einlagen der Mandoline, begleitet von einer ungewohnten Fiddle.

Sierra Ivie
Gathering Flowers
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Eine erstaunlich gute Bluegrass-CD. Mir gefallen allerdings nur die traditionellen
Stücke. Die Progressiven liegen mir weniger. Trotzdem: Die Sänger besitzt eine
extrem starke Stimme, die Harmonien halten sich gekonnt zurück. Alles scheint
ausgewogen und wohl berechnet zu sein. Kurz: Die Mischung stimmt. Unter den
Songs sind so bekannt Stücke wie „Little Birdie“ (das Marty Stuart nicht
mag), „Great Speckled Bird“ und „Weary Blues“. Die letztgenannte
Nummer scheint der Sängerin weniger zu liegen. Zum ersten Mal scheint Sierra‘s
Stimme zu schwanken, wird zwischendurch gar schwach. Da, wo das Mädchen wie
Alison Krauss klingt, mag ich sie nicht. Ich bin halt ein Purist, sorry.
Manchmal überschlägt sich auch Sierra‘s Enthusiasmus, z.B. bei „Fill My Way
With Love“. Dann überschlägt sich denn auch vor Temperament ihre
Stimme.

Danny Trashville
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Ein Rebell in Nashville? Nun, ein weiterer. Das hatten wir ja auch schon, oder?
Und wo sind sie heute? Entweder tot. Oder sie leben angepasst in New York und
unterscheiden sich nicht mehr von jenen, die sie einst bekämpften.
Hoffentlich bleibt Danny Trashville so, wie er ist. Mit seinen Ecken und Kanten
verleiht er Nashville nämlich eine ganz neue Dimension. Eine, die die Music
City zwar schon einmal besass, doch an die sie sich nicht mehr zu erinnern scheint.
Oder erinnern will. Dieser Junge hier hat eine Ahnung von dreckigem Blues und
ebensolchem Gesang. Er nimmt kein Blatt vor den Mund („Wild Wild Women“)
und zeigt jenen, die einmal gerne so klingen wollten, wie’s hätte sein
können…..wenn sie’s gekonnt hätten.
Keine Ahnung hatte ich, dass selbst eine Ukulele intellektuell klingen kann
(ich hab‘ sie auch ‚mal gespielt). Doch Danny beweist es dem Zuhörer bei „Ukulele
Interlude“. Der Junge ist musikalisch äusserst vielseitig: Da gibt’s puren
Honky Tonk, Blues, Balladen, Pop und Rock. Und Danny Trashville bietet auch
sonst vieles. Aber nur den Delikatessenliebhabern.

David Ferrard
Across The Troubled
Wave
Erhältlich
bei: www.cdbaby.com (Sampler)
David Ferrard’s Musik scheint so zerbrechlich zu sein, wie der Jüngling
aussieht. Bluegrass und Folk-Musik von hoher Qualität. Dessenungeachtet tritt
sie sofort in den Hintergrund, wenn man sich David’s Lyriken widmet. Manchmal
singt er, wie die Kelten, die Irländer oder die Schotten. Glasklar ist seine
Stimme, einfach und schlicht hält er dagegen die Musik. Fiddle, akustische
Gitarre und Banjo unterstreichen David’s atemberaubenden Auftritt. Ein
Highlight macht „Calling My Children Home“. Hier gilt es, die weibliche
Harmonie-Stimme zu bewundern, die sich zurückhält, damit David’s Stimme doppelt
wirken kann. Eine Arbeit der Extraklasse. Dieser Junge gehört schon jetzt in
die Oberliga. Tatsächlich gibt nur wenige, die sich getrauen, ein Stück wie „My
Dearest Dear“ vorzutragen. Hier hört man wirklich nur David’s Stimme….und das
genügt….

King Lion & The Braves
Powerful Rockin‘ Oldies
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King Lion fegt mit seinen Braves alles vom Tisch, was nicht Niet und Nagelfest
ist. Garantiert. Ich bin froh, hat Chuck Berry noch Fans – vor allem
hinsichtlich seines irres Gitarrenspiels. Die Party eröffnet der King mit „Bop
A Lena“ – in Rockabilly-Kreisen beinahe eine Hymne. Und Garant für das
Ausflippen der Menge. „Barking Up The Wrong Tree“ ist ein Stück, das von
einem Mann handelt, der sich umsonst um eine Frau bemüht. Ein witziges Stück,
etwas langsamer als „Bop A Lena“, aber immer noch lüpfig. „Angel Of
Love“ hab‘ ich schon immer geliebt. Es ist anders als andere Nummern. Rob
Mury’s Single ziert noch immer die Plattensammlung meines Bruders…Diese Version
ist auch nicht schlecht, obwohl sie etwas sanfter ausfallen könnte. „Boots“
hat Surf-Qualitäten. Grosse. Der Mann an der Gitarre ist ein Ass. „Gunning
For The Dogs“ wird viele an die Stray Cats erinnern. Und weiter geht’s,
sehr abwechslungsreich. „Please Don’t Touch“ mochte ich noch nie. Und
das ändert auch King’s Version nicht. „Apache“!! Ja!!!!!!!! Die Shadows
lassen grüssen….Don Gibson’s „Sea Of Heartbreak“ ist ein bisschen
enttäuschend. Eine Rock’n’Roll-Version halt. Aber auch ein King Lion kann Don
Gibson nicht schlagen, schon klar.
Alles in allem gibt die CD einen guten Überblick hinsichtlich Rock’n’Roll und
Surf. Beeindruckend ist vor allem der Gitarrist….

Forgotten but Not Gone
(Limited Edition)
Various
Erhältlich
bei: www.cdbaby.com (Sampler)
Mit den Erlösen aus der CD werden die Hurrikan-Opfer von Katrina unterstützt.
Das vorweg. Der Kauf der CD lohnt sich aber auch so der Eröffnungsnummer wegen.
Bonnie
Bramlett singt da „Last Night I Dreamed Of New Orleans“. Und zwar mit einer
Intensität, an der ich mich ergötze. Typischer New Orleans Jazz. Dann erstaunt
Radney Foster mit einer ebenso starken Nummer, „Travelin‘ On“. Man sieht
die Räder vor sich, wie sie rollen ……….Mit mehr Hintergrund Geräuschen hätten
wir einen Honky Tonk vor uns, mit einem Chor einen Gospel…Tja. Jack Ingram hat
sich von Americana ja weit entfernt……auch hier versinkt er im Nashville
Schlamm…Buddy & Judy Miller bugsieren den Zuhörer gleich wieder auf die
rosa Wolke zurück…und man will da gar nicht mehr ‚runter, garantiert…“Holding
Up The Sky“ ist ein unwahrscheinlich schönes Liebeslied. Steve Azar bringt
ein nachdenkliches „Indianola“. Steve Earle hat sich für „Steve’s
Hammer“ entschieden. Grässlich (der Schlagzeuger ist nicht zu ignorieren).
Weitere Interpreten machen Lee Roy Parnell, Chris Knight, Tony Joe White oder
Marty Stuart. Die Musikrichtung ist gemischt. Mal Soul, mal Folk, mal Jazz. Der
Zuhörer hat die Qual der Wahl, denn rund 20 Songs stehen zur Auswahl.

Gabe Rozzell and The
Decency
Erhältlich bei: www.cdbaby.com (Sampler)
Ein bisschen Skiffle, traditionelle Country Musik und der typische Earle-Sound
von einst machen Gabe Rozzel und Decency aus. Der Sänger befindet sich immer
knapp neben der Melodie, findet sie aber gegen Ende immer…. Und das ist gerade
das Amüsante an seinen Honky-Tonk Stücken und Balladen. Man beachte auch den
Steel-Gitarristen, der zwar sein Instrument selten einsetzt, aber dann immer
gekonnt. „Lonely As Hell“ erwartete ich langsam, aber denkste. Für Gabe
bedeutet Einsamkeit offensichtlich Aufbruch oder besser: Ausbruch. Rennen,
Party. „Burn Burn Burn“, das letzte Stück, fällt da bedeutend getragener
und sentimentaler aus. Waylon hätte seine Freude daran gehabt, jede Wette.
Ausgezeichnet gemacht und noch besser gesungen kommt „Wayfaring Stranger“
einher. Es braucht schon einen Typen wie den kurzatmigen, rauhen Gabe Rozzell,
um den Titel so vortragen zu können, wie hier. Einfach perfekt.
Mat D
And The Pofane Saints
Dirt town City Limits
Erhältlich
bei: www.cdbaby.com (Sampler)
„The Ghost Of Huddie Leadbetter“ wird mein neues Liebeslied!!!!! Und
einen iPod benötige ich auch, damit ich um Mitternacht ‚raus gehen kann, um das
Stück zu hören und festzustellen, wie es in der Dunkelheit wirkt. Schon hier
klingt’s so unheimlich, schräg und irre, dass man’s einfach lieben muss…für den
starken Beat, den geisterhaften Gesang und die Telecaster. Aber weiter geht‘s
genauso gut! Die Band hat eine verrückte Art, die Beats zu wechseln, wobei der
Schlagzeuger zur Abwechslung die Becken zwar auch bearbeitet, aber
wahrscheinlich nicht mit dem üblichen Stick. Irgendwas klingt immer gedämpft
bei Mat D. und zwar mit Absicht. Übrigens überzeugte mich die CD völlig.
Dachte, 4 Samples würden genügen. Da kam ich auf „Motel City“, eine
überzeugende, leidenschaftliche Ballade. Und es verschlug mir nun vollends die
Sprache. Gäbe es einen Preis für Originalität, Mat D. würde ihn problemlos
gewinnen.

The Tallboys
Around The Bend
Erhältlich
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The Tallboys aus Seattle, Washington. Die 4-köpfige Band trat lange als Strassenmusiker auf.
Jetzt bieten sie ihre Old Time Musik vom Feinsten auf CD an. Die Harmonien, die
obligate Fiddle, das Clawhammer-Banjo und der tanzbare Sound sind typisch für
diese Art von Sound. Neben der hohen Qualität dringt auch der Spass der Jungs
an der von ihnen gewählten Musik deutlich durch. Erwähnenswert ist auch „Cotton-Eyed
Joe“, das hier von Fiddle und Banjo, also instrumental, vorgetragen wird.

Ethyl & the Regulars
Fill 'er Up
Erhältlich
bei: www.cdbaby.com (Sampler)
Und hier haben wir endlich wieder Vertreter des einstigen Hillbilly-Sounds vor
uns. Zwar klingen sie nicht mehr ganz wie ihre Vorgänger in den Fifties, aber
doch gut genug, um Fans jener Zeit aufzufallen. Die Stimme des Sängers kommt
zwar über Mittelmässigkeit nicht hinaus (ich weise an dieser Stelle noch einmal
gerne auf Chuck Mead hin, der für mich den Standard setzt, den ein
Hillbilly-Interpret erreichen muss), dennoch ist die CD durch die Stückauswahl
und die Musik gelungen. „Good Morning Blues“ z.B. erinnert tatsächlich
an BR5-49. Die ‚Alten‘, wohlgemerkt. Da sich die Gruppe auf die Fifties
versteift, kommt auch Western Swing zum Zug, ebenso Rock’n’Roll. Wie gesagt:
Die Mischung ist gut. Die Leadstimme könnte besser sein.
Bluegrass Pals
Deep from the Catalog
Erhältlich
bei: www.cdbaby.com (Sampler)
Irgendwer hat mal irgendwo geschrieben, Bluegrass müsse so klingen, wie die
Grascals. Für mich muss Bluegrass so klingen, wie die Jungs hier. Jedem
Instrument wird ein Solo eingeräumt – das genau zur richtigen Zeit zum Zuge
kommt. Die langsamen Stücke sind schmerzerfüllt, wecken Erinnerungen, geben
Antworten und werfen Fragen auf. Die Mandoline unterstützt die Emotionen, das
Banjo unterstreicht sie. Möchte man aus einem schwierigen Stück wie „Tennessee
Border“ eine Bluegrass-Nummer machen und erhöht die Geschwindigkeit, wird’s
tragisch. Da halte ich mich lieber an Stücke wie „Legend Of The Rebel
Soldier“. Diese Nummer könnte zugegebenermassen in den Händen der Grascals
zu Gold werden. Oder Platin. Die ‚Bluegrass Pals‘ sind halt Kumpel, keine
Jungs, die jede Nacht im Station Inn auftreten. Jahrelang. Aber gut genug, um
gehört zu werden, sind die Pals schon.

Queen City String Band
Drunken Billy Goat
Erhältlich
bei: www.cdbaby.com (Sampler)
Wer tanzen möchte, ist bei der Queen City String Band an der richtigen Stelle.
Vorwiegend rassige, instrumentale Nummern – allen voran die Fiddle.

Devil In A Woodpile
In Your Lonesome Town
Erhältlich bei: www.bloodshotrecords.com
(Sampler)
Web-Site: http://www.devilinawoodpile.com/
Devil In A Woodpile habe ich vor Jahren zufälligerweise entdeckt. Ihre Mischung
aus Country Blues, traditioneller Country Musik und Folk gefiel mir
augenblicklich. Und auch heute, bei dieser CD, faszinieren sie mich
gleichermassen. Selbst ihr Gospel (I’ll Be Rested) entspricht nicht dem
erwarteten. Viel mehr enthält das Stück das von den Musikern gewohnte: Ecken
und Kanten. Und genau deshalb nimmt man ihnen religiöse Stücke wie dieses hier
noch viel mehr ab, als Leuten, die komplette Gospel-Alben schaffen. Devil In A
Woodpile leben weder in Texas, noch in Tennessee. Sie haben ihre Basis in
Chicago aufgebaut. Die 12 Titel bieten Bluegrass, Jazz, Ragtime und Folk der
Extraklasse – dargeboten von Dobro, Mundharmonika und Kontrabass.

Rocky Zharp with Friends & Family
Years Gone By, Vol. 4 1983 – 2009
Erhältlich bei: www.cdbaby.com (Sampler)
Rocky Zharp hat nichts mit Rocky Sharpe aus England gemein. Zumindest nicht den
Doo-Wop. Dafür die Qualität. Dreckiger, rauher Mississippi Blues mit viel,
enorm viel Mundharmonika – manchmal klingt der Mann beinahe wie J.B. Hutto (vom
Gesang her). Wenn Rocky mit den Blue Crackers auftritt, wird der Sound etwas
leichter, Rocky mutiert zum Country Blues. Dann wird’s mit Gregg C. Ross und
Johnny Neal wieder richtig schmutzig, um dank den Stewart Bros. in pure
Bluegrass-Musik auszuarten. Mit den Stuart Brothers gibt’s ein bisschen – ja,
was? Folkblues. Mit „Sloop John B.„ gibt’s nicht wie erwartet, die
geballte Surf-Ladung der Beach Boys, denn Rocky bewegt sich zu sehr in der
Blues-Szene. Trotzdem kommt der Spass, den das Stück zu vermittteln imstande
ist, voll durch.
Und so geht’s mir mit der ganzen CD. Alle Songs sind
hörenswert, geben Einblick in die unterschiedlichsten Musikstile und behalten
doch ihren eigenen Blues-Touch bei.

The Detracker
Rudy Challard
Erhältlich bei: www.cdbaby.com (Sampler)
Die Stimme mag ich vorab schon mal gar nicht. Der Junge klingt, als wäre er
mit dem Stimmbruch noch nicht ganz durch. Zumindest beim ersten Stück. Doch die
Gitarre stimmt. Und die Harmonien auch. Mal wie Bo Diddley, mal wie Chet
Atkins, hat die Band den richtigen Riecher, wenn’s um die Songauswahl geht.
Eine spannende CD, die einen gelungen Einblick in Rockabilly gibt und dabei die
unterschiedlichsten Einflüsse gewährt.

Never Tell Me To Quit
Gumbo
Erhältlich bei: www.cdbaby.com (Sampler)
Etwas zu viel Jazz, New Orleans Jazz, versteht sich und eine Prise Country
Musik…offerieren hier Never Tell Me To Quit. Song wie „Travelin‘“ sind mir
etwas ZU anspruchsvoll. Mit dem klassischen Einschlag verlangen sie ein feines
Gehör für das, was da kommen mag….“It’s Raining“ gefällt mir besser. Die
Harmonien sind zwar auch ungewohnt, genauso das Klarinett, doch dieses Stück
ist nicht ganz so kompliziert wie seine Vorgänger. Wer bei „Alligator“
ein Cajun-Liedchen erwartet, irrt gewaltig. Das Stück kommt lustig einher, man
sieht geradezu vor sich, wie der Alligator sich dazu bewegt. Kann sich noch
einer an ‚Ice Cream‘ erinnern? Genau so. Die Band verlangt meiner Meinung nach
sehr, sehr viel vom Zuhörer. Sicher eine Liebe für Jazz sprich: Jazzigen Swing.
Zigeuner-Musik nennt das CD Baby.

Allan Frank
The Road So Far
Erhältlich bei: www.cdbaby.com (Sampler)
Allan Frank bezirzt durch die Begleitung. Mittels Harmonien der übrigen
Bandmitglieder. Er selber singt eher kurzartmig, rauh. Dankbar bin ich ihm für
„Mr. Bojangles“, das er sehr gut, sicher und überzeugend bringt. Einer der
besten Folksongs die’s gibt hat er sich da zur Brust genommen. 2, 3 Songs sind
wieder einmal kommerziell. Doch Stücke wie „Any Fool“ zeigen einen
sensiblen Songwriter, der hoffentlich bald wieder von sich hören lässt.

Tony Booth
Is This All there Is To A Honky Tonk
Erhältlich bei: www.cdbaby.com (Sampler)
Alte Sampler: www.myspace.com/tonybooth200
Irgendwie (aus sentimentalen Gründen, zugegeben) hab‘ ich im Auto nach Justin
Trevino Lust auf Honky Tonk gekriegt. Und das hier gefunden. Der Name Tony
Booth sagte mir nichts, also ging ich auf My Space, um in uralte Scheiben
‚reinzuhören. Typischer Honky Tonk, wie ich ihn mir wünsche, tadellos
vorgetragen. Vielleicht nicht mit so viel Herzschmerz wie Justin, doch den mag
ich im Moment eh‘ nicht ertragen.
Tony Booth wurde übrigens in Tampa, Florida
geboren und residiert seit mittlerweile 35 Jahren in Alvin, Texas. Mit 14
Jahren gewann er einen Gesangswettbewerb, später wurde die Tony Booth Band zur
Hausband des berühmten Palomino Klubs in L.A. 1971 wurde Tony zum
vielversprechendsten männlichen Sänger der Country Musik gewählt, 1973 kam es
zu einer Nominierung als bester Sänger des Jahres. Die Band selber entschied
den Wettbewerb 1970, 1971 und 1972 für sich.

RC Banks
Conway’s Corner
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Dieser Mann erinnert mich an so viele verschiedene Interpreten, dass ich gar
nicht weiss, wo ich anfangen soll. Vielleicht bei meinem Favoriten, John
Campbell. Der machte einen unnachahmlichen Blues, der tief in die Innereien
geht. HC kann aber auch wie die Fabulous Tunderbirds klingen und dann wieder
einfach wie ein Songwriter.
Offensichtlich bleiben immer seine Ecken und Kanten, alleine schon
seiner rauhen, unkapriziösen Stimme wegen.
David Onley
Migration
Erhältlich bei: www.cdbaby.com (Sampler)
Nun ja. David macht sich Gedanken um seine Mitmenschen. Loud House Records
konnte seine Arbeit besser beschreiben: Während er brilliant den Weg
beschreibt, den eine Republik geht, ist sich Dave Onley immer bewusst, wie sehr
deshalb Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden. Also lächelt das Mädchen,
das er liebt, um im nächsten Moment in Tränen auszubrechen. Hier geht es um das
Leben, das nicht einfach auf seinem niedrigsten Stand observiert wird. Diese
Arbeit spricht jeden an, der dies mit einem Künstlerohr hören kann. Dabei geht
es immer auch um die Vision einer grossartigen Zukunft. Alles unterstreicht
Dave Onley mal mit Folkmusik, unterstützt durch Mandoline oder Flöte aber
immer mit Gitarre.

Two Tones Of Steel
Not Such Lucky
Erhältlich bei: http://www.lonestarmusic.com
(Sampler)
Video zu „Your Kiss“: http://www.twotons.com/sounds.html
Wie sie’s versprachen, haben sie’s auch gehalten (etwas Neues für Amis): Das
neue Album von Two Tones Of Steel ist auf dem Markt. Alleine „Your Kiss“
lohnt den Kauf des Tonträgers. Typischer Rockabilly, kompromisslos und gerade,
mit ausgezeichnetem Kontrabass und ebensolchem Gesang. Um’s mit Two Tones of
Steel’s eigenen Worten zu sagen: Wir machen zwar Rockabilly, doch wir denken,
wir sind nicht darauf reduziert.