„Main Spring wieder auf der Bühne

Deutsche Bluegrass-Kultband beschert Fans ein Reunionkonzert. Vor 20 Jahren war Main Spring das Maß aller Dinge im deutschen Bluegrass, dann, 1989, löste das Quartett sich auf und die Musiker gingen ihre eigenen Wege, die z.T. bis in die USA führten. Alle paar Jahre jedoch trafen sie sich wieder in ihrer Münchener Heimat und gaben vielbejubelte Neuauflagen ihrer Konzerte. Jetzt war es wieder so weit, die Country & Western Friends Koetz 1982 e.V. engagierten sie am 28.12.2005 in „Dany’s Club" im Atlantis-Bad in Neu-Ulm. Main Spring rief, und viele lang nicht mehr gesehene Fans kamen.

„Acoustic Rock" hieß damals ihre Devise, moderne Songs mit akustischen Instrumenten auf höchstem technischen Niveau, und damit trafen sie den Nerv der Zeit. Heute treffen sie ihn immer noch, sie wirken keineswegs museal und verstaubt, die jugendliche Unbekümmertheit von damals hat sich bis heute bewahrt. Obi Barthmann am Banjo, Mac Maierhofer am E-Bass, Ingo Sandhofen an der akustischen Gitarre und Mark Stoffel an Geige und Mandoline sind Spitzenleute auf ihren Instrumenten, die nicht nur ihre Anhänger begeistern, sondern auch die Fachleute überzeugen. Mit langen, z.T. recht ausgedehnten Soli und Improvisationen schufen sie neue Klangkombinationen, und es war faszinierend, wie sie nach allen virtuosen Höhenflügen wieder sicher auf dem festen Boden der Grundarrangements landeten. Stoffel und Sandhofen wechselten sich im Leadgesang ab. Dabei wärmten sie nicht einfach das alte Programm und ihre LP von 1987 wieder auf, sie hatten einige neue Lieder auf Lager, und viel gehörte Klassiker wie „Orange Blossom Special" und „Foggy Mountain Breakdown" haben da auch ihre Berechtigung, ebenso wie Mozarts Türkischer Marsch, „Rondo Alla Turca".

Die musikalische Perfektion ist allerdings nur ein Teil der Erfolgsgarantie, der andere ist die Art der Darbietung, die witzige Show, die sie aufzogen. Dabei erzählten sie nicht nur vorgefertigte Witze, vor allem über Banjospieler, in den Stimmpausen, sondern improvisierten viel aus dem Moment heraus und nahmen vor allem sich selbst gegenseitig aufs Korn und auf die Schippe. Barthmann kann wie fast alle Banjospieler nicht wirklich singen, wenn er trotzdem mit ironischem Unterton alte deutsche Schlager intonierte, war die Begeisterung nicht mehr zu bremsen. Aller Jux hatte aber nicht die Aufgabe, musikalische Schwächen zu vertuschen, sondern waren die Dreingabe zu einer Darbietung, die für sich allein keine Wünsche offen ließ. Obwohl sie nicht viel Zeit zum Üben gehabt hatten, Stoffel war nur kurz aus den USA auf Heimatbesuch gekommen, klappte das Zusammenspiel blindlings, und die Freude am erneuten gemeinsamen Musizieren war nicht nur den Musikern, sondern auch den Hörern anzumerken. Alle fühlten sich 20 Jahre zurückgesetzt, und das nächste Reunionkonzert ist nur eine Frage der Zeit.

Eberhard Finke

Anm. d. Red. Eberhard Finke ist der Herausgeber des Fachmagazins „Bluegrass Bühne".

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